O'sullivan fegt muur vom tisch und jagelt das 1315. century – yushan bebt

50 Jahre jung, 1315 Centuries stark: Ronnie O’Sullivan hat bei den World Open in Yushan binnen 75 Minuten bewiesen, dass sein Queue noch immer schneller denkt als jede Datenbank. Ross Muir bekam eine 5:1-Lektion, in der der Rocket jeden Frame bis auf die Knochen auseinandernahm – und dabei fast das Maximum Break versenkt hätte.

Der fünfte frame: ein maximum, das keiner wurde

Alles lief perfekt: 15 rote, 15 schwarze, 47 Punkte auf dem Tisch. Dann legt O’Sullivan die Weiße an die Bande, spielt die letzte schwarze – und versenkt sie. Nur: Der Spielball rutscht hinterher. Statt 147 stehen 113 auf dem Zähler, Muir lacht erleichtert, das Publikum jubelt trotzdem. Die Botschaft ist laut: Selbst sein „Fehler“ ist ein Schauspiel.

Im Anschluss donnert er Frame sechs mit einer 114 runter – Centuries 1314 und 1315 binnen zehn Minuten. Die Statistiker wollen schon die 1400er-Marke im März 2027 diskutieren. Kein Scherz.

Trump, murphy, bingham – englands triple kommt mit mühe

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Judd Trump zerlegt Mark Lloyd ebenfalls 5:1, doch die Art, wie er es tut, erinnert an einen Ferrari im Stadtverkehr: 129 zum Schluss, 92, 70 – und dazwischen lange Phasen, in denen er nur wartet, dass der Gegner fehlt. Die Frage bleibt: Wer schafft es, ihn in die Rückhand zu drängen?

Shaun Murphy muss dagegen zittern. 4:1 gegen David Lilley wird zum 4:4, weil Lilley eine 91 raushaut und plötzlich glaubt. Im Decider holt Murphy jedoch eine 84 raus – keine Centuries, aber Nerven aus Stahl. „Ich hab nur noch geatmet und gequeuet“, sagt er hinterher und klingt, als hätte er gerade einen Marathon verschnupft.

Stuart Bingham und Anthony McGill liefern sich den längsten Tag. 131, 108, 86, 95 – Breaks wie bei einem Highlight-Mix. Am Ende entscheidet ein Safety-Duell im letzten Frame, das McGill mit einem Pink-Foul verschenkt. Bingham nickt nur: „So geht Snooker, nicht schöner.“

Die abwesenden: vier top-16-spieler schicken ihre krankmeldung

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Stephen Maguire, Chris Wakelin, David Gilbert, Jak Jones – keiner von ihnen ist in Yushan erschienen. Die Folge: Ishpreet Singh Chadha fehlt ebenfalls, und O’Sullivan rutscht ins Achtelfinale, ohne einen zweiten Gegner gesehen zu haben. Artemijs Zizins darf dafür gegen Ex-Weltmeister Luca Brecel ran – ein Los, das ihm sonst nur im Traum blüht.

Die Turnierleitung reagiert mit versteinerter Miene: Tickets sind ausverkauft, Namen fehlen. Die Fans aber feiern jeden Ersatzspieler, als wäre er der neue Messias. In China zählt nur, wer das Queue schwingt – nicht, welche Nummer auf dem Zettel steht.

Die wetterlage im queue-land: warum yushan der perfekte bühne ist

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Die Luftfeuchtigkeit in Jiangxi lag am Montag bei 78 %. Für Amateure ein Alptraum, für Profis ein Fest: Die Bälle rollen langsamer, die Spins bleiben hängen, und wer hier sauber spielt, dominiert auch in Sheffield. O’Sullivan liebt diese Bedingungen – sie erinnern ihn an seine ersten China-Erfahrungen, als er noch mit dem Taxi zwischen den Spielstätten hetzte.

Die Hallen sind ausverkauft, die Live-Streams knacken in der Hauptsendezeit die 25-Millionen-Marke. Snooker ist in China keine Nischensportart mehr, sondern eine Primetime-Religion. Und O’Sullivan ist der oberste Priester.

Die nächste Runde ist bereits gelost: O’Sullivan gegen Matthew Selt – ein Gegner, der ihn 2024 in Wuhan in den Entscheidungsframe zwang. Trump trifft auf den jungen Gong Xiaochen, Murphy muss gegen den Qualifikanten He Guoqiang ran. Die Chancen auf ein englisches Halbfinale stehen gut, doch in Yushan zählt nur das Queue, nicht die Flagge.

Die Centuries-Jagd geht weiter. Die 1400er-Marce rückt näher. Und O’Sullivan? Der schaut schon wieder nach vorn, als hätte er das 1315. Break nur warmgespielt.