Ostseehalle statt wunderino: kiel löst den namenskompromiss ab
Kiel schlägt zurück. Aus der Wunderino Arena wird ab 1. April wieder die Ostseehalle – und das, obwohl der neue Sponsor erneut aus der Glücksspielbranche stammt. Die Meldung klingt nach Marketing-Flickenteppich, ist aber ein Signal: Der THW will seine Seele zurück.
Der Name Merkur Ostseehalle verbindet Nostalgie mit Barem. 8.000 Fans erinnern sich an Europapokal-Nächte, in denen „Kiel“ noch gleichbedeutend mit „Sieg“ war. Jetzt, nach zwei verpassten Finals in Serie, soll der alte Klang der Halle die Mannschaft wieder in den Takt der Siege führen. Ob das reicht? Die Frage ist erlaubt, schließlich blieb der Geldgeber dieselbe Branche, nur die Farbe des Logos wechselt von Lila zu Orange.

Warum der sponsorenwechsel trotzdem klug ist
Daniel Duhr, unser Kolumnist, rechnet vor: 3,5 Millionen Euro fließen jährlich durch das Namensrecht in die Kieler Kasse. Aufzugeben wäre fahrlässig. Doch statt eines weiteren kryptischen Buchmacher-Namens setzt Manager Sascha Klahn jetzt auf ein Hybridmodell: Tradition im Vordergrund, Merkur im Untertitel. Die Fans hören „Ostseehalle“, der Sponsor steht trotzdem auf der Bande. Ein Kompromiss, der selten ist in der HBL.
Blick über Kiel hinaus: In Stuttgart spielt der TVB noch in der Porsche-Arena. Die Auto-Sparte schwächelt, der Gewinn brach um 90 % ein. Zeit für Kärcher aus Winnenden? Der Hersteller für Hochdruckreiniger würde ins Narrativ passen: „Wir spülen Gegner aus der Halle.“ Im Bergischen Land wartet der BHC mit wechselnden Spielstätten. Dort steht die Haribo-Zentrale. Goldbären-Arena klingt nach Kindheitstraum, verkauft aber auch. Voraussetzung: Haribo muss nicht nur die Halle, sondern auch das Trikot sägen. Sonst bleibts ein Zuckerl ohne Biss.
Die Lehre: Handball-Bundesligen-Clubs balancieren auf schmalem Grat. Wer auf traditionelle Namen verzichtet, verschenkt Identität. Wer auf Sponsoren verzichtet, verschenkt Budget. Kiel zeigt, dass beides geht – wenn man den Mut hat, alte Buchstaben wieder auf die Fassade zu nageln. Die nächste Saison wird zeigen, ob die Erinnerung an glorreiche Abende stärker ist als die Realität der Tabelle. Sollte der THW im Mai 2025 wieder in Köln stehen, winkt nicht nur das Triple, sondern auch der Beweis: Manchmal reicht ein Name, um ein Team heimzuholen.
