Ölpreis-drama: frieden bringt keine schnelle entlastung?

Die Nachricht schallt durch die Finanzwelt: Ein Waffenstillstand zwischen den USA und Israel sowie Iran scheint tatsächlich zu greifen. Eine Friedenszeremonie in der Schweiz am 19. Juni soll den Deal besiegeln. Doch während die Märkte aufatmen und der Brent-Ölpreis auf 83 Dollar abstürzt, zeichnet sich ein überraschendes Szenario ab: Die erhoffte Entlastung an den Tankstellen könnte auf sich warten lassen.

Die falle des gesenkten mehrwertsteuersatzes

Die falle des gesenkten mehrwertsteuersatzes

Der Grund liegt in der geplanten Abschaffung der reduzierten Mehrwertsteuer auf Kraftstoffe. Diese Maßnahme, die als sozialer Schutzschild eingeführt wurde, galt ursprünglich für Zeiten, in denen die Preise um mindestens 15 Prozent über dem Normalwert lagen. Dank der Steuererleichterung tanken wir aktuell noch mit 10 Prozent statt der regulären 21 Prozent. Doch diese Ersparnis ist zum 1. Juli voraussichtlich Geschichte.

Was niemand offen anspricht: Es wird schlichtweg nicht mehr genug Zeit bleiben, um die Effekte des Friedensabkommens und die Wiedereröffnung des Ärmelkanals für den Öltransport in den Kraftstoffpreisen widerzuspiegeln, bevor die Mehrwertsteuer wieder angehoben wird. Das bedeutet, wir werden zumindest in der ersten Juliwoche weiterhin „Kriegspreise“ zahlen, ohne staatliche Unterstützung.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Wer heute noch 1,59 Euro pro Liter für Benzin und 1,74 Euro für Diesel bezahlt, könnte in wenigen Tagen mit 1,75 Euro für Benzin und 1,91 Euro für Diesel rechnen – ein Anstieg von 16 Cent bzw. 17 Cent pro Liter. Ein voller Tank (50 Liter) würde dann 87,50 Euro für Benzin und 95,50 Euro für Diesel kosten. Der Diesel könnte somit die 1,90-Euro-Marke knacken, solange keine neuen Hilfen kommen.

Es ist ein klassisches Beispiel für den Unterschied zwischen Auf- und Abwärtsbewegungen. Während die Preise wie ein „Raketenstart“ in die Höhe schießen, fallen sie eher „wie eine Feder“ – ein langsamer, schleichender Prozess. Selbst wenn das Ölangebot durch die Wiedereröffnung der Seewege zunimmt, wird es einige Tage dauern, bis sich dies in den Preisen an den Tankstellen bemerkbar macht.

Die Prognose ist düster: Selbst wenn die Preise langfristig sinken, könnte die Rückkehr zum regulären Mehrwertsteuersatz die Ersparnisse zunichtemachen. In der ersten Hälfte Juli könnte Benzin zwischen 1,64 und 1,69 Euro und Diesel zwischen 1,80 und 1,86 Euro kosten – also sogar teurer als heute.

Sollte die Regierung jedoch wider Erwarten die Steuererleichterungen verlängern, gäbe es zumindest vorübergehend eine Atempause. Benzin könnte dann zwischen 1,49 und 1,54 Euro und Diesel zwischen 1,64 und 1,69 Euro kosten – aber nur, solange die staatliche Hilfe andauert.

Die Hoffnung auf günstigere Kraftstoffe schwindet also. Das Friedensabkommen mag ein Lichtblick sein, aber unser Geldbeutel wird es kurzfristig nicht spüren.