Ole book löst kehl ab – bvb setzt auf internen revolvermann

Ole Book springt ein, wo Sebastian Kehl gestolpert ist. Der 38-jährige Scout wird neuer Sportdirektor beim BVB – und das, obwohl er nie die große Bühne suchte. Jetzt soll er die Ruine wieder aufräumen.

Warum book die logik der ruhrpott-helden sprengt

Book kommt nicht aus dem Fernsehen, nicht aus einer Agentur und schon gar nicht aus dem Vertrieb. Er kommt aus der Video-Kabine, aus der Daten-Höhle, aus jenen Nächten, in denen er brasilianische U-20-Turniere auswertete, während andere Talkrunden gaben. Das macht ihn zur Anti-Promi-Lösung – und gerade das haben die Dortmunder Bosse verordnet.

Die Kalkulation: Wer jahrelang Youssoufa Moukoko vor dem Ruin bewahrt, wer Jamie Bynoe-Gittens aus der vierten englischen Liga zieht, der kennt die Geheimnisse. Book soll die verlorene DNA wieder einfädeln: Jugend, Risiko, Wiederverkaufswert. Kurz: den „Moneyball“ der Westfalen.

Die stunde der wahrheit beginnt mit einem excel-sheet

Die stunde der wahrheit beginnt mit einem excel-sheet

Kehl scheiterte an der Politik, an märchenhafen Preisen, an der Erwartung, jeden Sommer ein Jude Bellingham zu liefern. Book muss liefern, ohne zu versprechen. Sein Budget: 70 Millionen Euro Netto – plus dem, was er durch Verkäufe erpressen kann. Die Excel-Tabelle hat die letzte Wort.

Erste Testfälle: Tom Rothe soll nicht zum Zweitliga-Leihclub verkommen, Giovanni Reyna braucht ein echtes Konzept statt Papa-Drama, Julian Ryerson muss zur besten links Außenverteidiger-Version seiner Karriere geformt werden. Klingt nach Kleinarbeit, ist aber die Blaupause für die neue Dortmunder Realität.

Die fans forschen schon nach dem nächsten feindbild

Die fans forschen schon nach dem nächsten feindbild

Ultras recherchieren Bücher Twitter-Likes aus 2014, Sponsoren wollen wissen, ob er die „Echte Liebe“-Kampagne weiterträgt. Dabei ist Book schon länger im Verein als jeder Profi. Er kennt die Flure, die Codes, die Druckkochtöpfe. Das kann helfen – oder ihn zum Sündenbock machen, wenn der fünfte Platz im April droht.

Die Frage ist nicht, ob er eine neue Ära einläutet. Die Frage ist, ob die Vereinsführung ihm genug Zeit gibt, bis die erste Talentschmiede wieder funkt. 18 Monate hat Hans-Joachim Watzke intern durchblicken lassen. Danach wird Bilanz gezogen – mit oder ohne Book.

Wer jetzt erwartet, dass der neue Mann im Weißblech-Pulli große Reden schwingt, wird enttäuscht. Books Lieblingssatz lautet: „Lass die Daten sprechen.“ Bei 72 Proiten Ballbesitz und 1:2 in der 89. Minute reicht das vielleicht – vielleicht aber auch nicht. Fakt ist: Er ist die letzte interne Lösung, bevor der BVB wieder zur teuren Feuerwehr aus Leihgeschäften wird.

Die Würfel liegen offen auf dem grünen Tisch. Book muss nur noch anstoßen – und hoffen, dass der Verein nicht schon wieder neu mischt.