Odermatt fliegt raus – braathen kassiert die kugel fast geschenkt

Marco Odermatt rutschte ins Aus, Lucas Pinheiro Braathen lächelt. Nach dem ersten Lauf des Riesenslalom-Finals in Lillehammer liegt der Olympiasieber vorne – und braucht nur noch Rang vier, um die Kristallkugel zu erhalten.

Der Schweizer Held war gestern noch 48 Punkte vorn, heute ist er raus. Der Fehler passierte kurz vor der Halbzeit des ersten Laufs, die Kante setzte, das Ski-Tip kippte, die Saison ist gelaufen. Drei Minuten später stand Braathen in der Startbox, fuhr 0,77 Sekunden schneller als der Rest und durfte schon mal die Flugtickets nach Wien umbuchen – für die Gala am Sonntag.

Loic meillard ist der einzige, der braathen noch stoppen kann

Loic meillard ist der einzige, der braathen noch stoppen kann

Der Slalom-Olympiasieger aus der Schweiz liegt nach Lauf eins 0,63 Sekunden zurück. Gewinnt er das Rennen, Braathen wird aber nur Vierter, schwappt die Kugel doch noch nach Cham. Alles andere ist Formsache. Die Rechnung ist simpel: Meillard muss gewinnen, Braathen muss außerhalb der Top Three bleiben. Eine Zwickmühle, denn der Brasilianer hat in dieser Saison noch nie schlechter als Fünfter in einem Riesenslalom abgeschnitten.

Für Fabian Gratz ist der Tag trotzdem ein Jackpot. Der 28-jährige Starnberger, bisher ohne Podest, hinter Braathen, Brennsteiner und Meillard auf Rang vier. 0,77 Sekunden Rückstand klingen nach viel, aber im zweiten Durchgang kann im Riesenslalom alles passieren. „Ich hab nichts zu verlieren“, sagte er am Seil der Zielhang-Bühne. „Wenn die Leitung steht, kann ich angreifen.“

Hinter ihm folgen Anton Grammel (Zwölfter) und Jonas Stockinger (Neunzehnter). Beide wissen: Die Saison ist gelaufen, aber ein Platz unter den Top Ten würde die Punkteränge für das deutsche Ranking nach vorn schieben. Für Grammel wäre es die beste Platzierung seit zwei Jahren.

Der zweite Lauf beginnt um 12.30 Uhr. Die Sonne steht bereits hoch über Lillehammer, die Piste ist hart und schnell. Wer zuerst trifft, trifft richtig. Oder wie Odermatt es heute erlebte: Wer zuerst trifft, trifft den Schnee – und fliegt raus.