Odermatt droht die zitter-saison: kalender-quadratur krempelt skizirkus um
Marco Odermatt muss im Winter 2026/27 mit bloßen 18 Speed-Einsätzen haushalten – 24 gehen an die Technik-Liebhaber. Die provisorische Weltcup-Planung, die am Sonntag in Portoroz auf dem Prüfstand steht, entlarvt ein Machtvakuum in der FIS: Mehr Rennen, aber weniger Gerechtigkeit.
Die speed-fraktur im zahlenwerk
13 Slaloms, 11 Riesenslaloms – dagegen nur je neun Abfahrten und Super-G. Selbst FIS-Rennchef Markus Waldner schlägt mit der Faust auf den Tisch: „So ein Ungleichgewicht hat es noch nie gegeben.“ Die Rechnung ist denkbar einfach: Wer wie Odermatt seine Punkte vor allem aus Speed-Disziplinen zieht, darf sich auf 25 Prozent weniger Startmöglichkeiten freuen als ein Lucas Pinheiro Braathen oder Loïc Meillard.
Die Folge: Odermatt muss seinen fünften Gesamtweltcup fast im Vorbeifliegen verteidigen. Die 568 Punkte Vorsprung vom Vorjahr? Makulatur, wenn die FIS-Kommission das Papier unverändert absegnet. Courchevel liefert das nächste Schmankerl: Wegen mangelnder Schneesicherheit und Umbau-Verzögerungen fliegen die geplanten Speed-Rennen raus – Slalom und Riesenslalom rücken nach. Ein Geschenk für die Techniker, ein Schlag ins Kontor für die Speed-Depesche.

Januar-falle kranjska gora
Die eigentliche Zwickmühle verbirgt sich im Terminfachwerk zwischen Weihnachten und Dreikönig. Bormio (28./29. Dez.) und Adelboden (9./10. Jan.) sind klassische Odermatt-Phasen zum Durchatmen. Doch der neu eingeschobene Riesenslalom in Kranjska Gora (6. Jan.) zwingt den Nidwaldner zur Zerreißprobe: Er wird zwangsläufig absagen, verschenzt aber wertvolle Weltcup-Punkte, während seine Technik-Kollegen weiter Vollgas geben.
Wetterrisiken tun ihr Übriges. In der abgelaufenen Saison fielen zwei Super-Gs buchstäblich ins Wasser – ein Szenario, das sich bei nur neun geplanten Speed-Läufen schnell zur Point-Apokalypse auswächst.

Eliaschs versprechen-inflation
Verantwortlich für die Renn-Explosion ist auch FIS-Präsident Johan Eliasch. Der Milliardär hatte im Wahlkampf jedem Veranstalter quasi ein Startrecht in Aussicht gestellt – Resultat: Termin-Wucherung statt Qualitätskuration. Waldner warnt: „Mehr Rennen bedeuten nicht automatisch bessere Rennen.“ Die Athleten fordern seit Jahren Entschleunigung, doch die FIS folgt dem Motto: Quantität vor Gleichgewicht.
Odermatt selbst bleibt diplomatisch: „Ich kann Kranjska Gora nicht fahren – das gibt mir etwas Luft.“ Doch hinter der Fassade brodelt es. Seine Dominanz in der Gesamtwertung basierte stets auf der Balance zwischen Speed und Technik. Nimmt man ihm ein Drittel seiner Spielfläche, wird die Jagd auf die Kristallkugel zur Glückssache.
Die FIS-Kommission trifft sich am Sonntag in Portoroz. Die Entscheidung fällt zwischen Tradition und TV-Geld, zwischen Athletengesundheit und Event-Imperium. Sollte der Kalender bestehen, dürfte die Saison 2026/27 die erste seit 2019 werden, in der der Gesamtweltcup nicht erst am Finale in Schweden entschieden wird – sondern schon nach den technischen Feuerwerken im Januar.
