Nullnummer am wiehen rettet wsv vor dem absturz – lotte kommt zur unzeit

0:0 in Rödinghausen, drei Punkte Luft nach unten, eine Latte, die vor Glück zitterte – und trotzdem: Der Wuppertaler SV atmet wieder. Nach fünf sieglosen Spielen stoppte die Mannschaft von Mike Wunderlich am Dienstag die Talfahrt und schob sich zumindest für 24 Stunden aus dem roten Keller der Regionalliga West heraus.

Was wie ein Schachremis aussah, war ein Kampf ums nackte Überleben. Beide Teams spielten, als stünden sie auf einem Seil gespannt über der Abstiegsklippe: vorsichtiger Ballkontakt, kein Risiko, kein Tor. Der SVR behauptet Platz 15, der WSV hängt weiter an seinem Hemd – ein Punkt Rückstand, dazu eine Nachholpartie für die Ostwestfalen.

Frische war mangelware – taktische leiche riecht trotzdem nach hoffnung

Lars Fleischer hatte vorab noch von „voller Energie“ gesprochen, doch seine Startelf wirkte wie nach einem harten Nachtschichtwechsel. Derselbe Kader wie im 1:0 gegen Bonn, dieselbe Leidenschaft – nur ohne Durchschlagskraft. „Wir haben es nicht geschafft, die Frische mitzubringen“, gab der Rödinghäuser Trainer unumwunden zu.

Auf der Gegenseite hatte Wunderlich das Glück der verzweifelten: Dildar Atmacas abgefälschter Schuss klatschte gegen die Latte, nicht gegen das Netz. „Die Null halten war das oberste Gebot“, sagte der WSV-Coach, und man hörte die Erleichterung über jeden einzelnen klärenden Fuß. Erstmals seit drei Spielen kein Gegentor – für einen Klub, der in 26 Partien schon 48 kassiert hatte, ist das eine kleine Sensation.

Die personelle Misere bleibt aber. Amin Bouzraa, bester WSV-Torschütze mit fünf Treffern, Aldin Dervisevic, ehemals unumstritten in der Abwehr – beide weiter außer Kader. Der Verein nennt keine Gründe, intern heißt es nur: „sportliche Neuplanung“. Für Samstag gegen Lotte sind sie nicht eingeplant, danach offen.

Rückkehrer geben wunderlich luft – lotte-spiel wird zum sechs-punkte-fight

Rückkehrer geben wunderlich luft – lotte-spiel wird zum sechs-punkte-fight

Positiv: Semir Saric kehrte nach monatelanger Knie-Entzündung in die Startelf zurück, Noah Heim überstand seinen Muskelbündelriss und stand erstmals wieder am Spielfeldrand. Vincent Schaub hat seine Gelbsperre abgesessen, Hans-Juraj Hartmann ist nach Finger-OP wieder im Kader. Die Lazarus-Liste liefert Optionen, die Wunderlich dringend braucht.

Denn Lotte kommt als Tabellen-13. mit neuer Selbstvertrauen-Kur: vier Unentschieden in Serie, zuletzt 2:2 in Aachen. Für den WSV ist das Heimspiel ein Endspiel im März. Gewinnt Wuppertal, rutscht der Verein erstmals seit Wochen auf einem Nicht-Abstiegsplatz – zumindest für einen Tag, denn Rödinghausen muss am selben Tag bei Spitzenreiter Fortuna Köln ran. Die Rechnung ist simpel: Drei Punkte gegen Lotte und der Keller wirft durcheinander, was er an Punkten hergibt.

„Wir werden alles tun, um den Punkt von Rödinghausen mit einem Sieg zu vergolden“, sagt Wunderlich. Die Worte klingen wie ein Mantra. Nach dem 0:0 am Wiehen ist die Luft dafür erstmals wieder dünn genug, um zu träumen – ganz knapp über dem Abgrund.