Norwegen-drama: langlauf-star will zu den biathlon-königen – und die rebellieren

Einar Hedegart trägt im Winter Ski, im Sommer Lauf­schuhe – und plötzlich liegt die Welt der beiden Königsdisziplinen quer. Der 24-jährige Langlauf- Shootingstar hat sich entschieden: Er will ins Biathlon-Team der Elitesoldaten, jene Gruppe, die in Oslo schon fast mythisch verehrt wird. Die Antwort aus dem Lager der aktiven Weltmeister: ein kaum verhohlener Ruck. Was sich seit Tagen in norwegischen Medien abspielt, ist kein harmloser Positionskampf, sondern ein Machtspiel um Startplätze, Sponsorengelder und die Frage, ob ein Quereinsteiner die alte Garde verscheuchen kann.

Johannes dale-skjevdal schlägt zurück

Massenstart-Olympiasieger Johannes Dale-Skjevdal legt sich quer. „Draußen entsteht der Eindruck, wir würden Einar bremsen. Das ist eine glatte Lüge“, sagt er zu TV2. Die Wortwahl ist scharf, der Tonfall messerscharf. Dahinter steckt mehr als der Schutz eines Images – es geht um die Deutungshoheit innerhalb des Verbands. Dale-Skjevdal bestreitet nicht, dass es intern Beratungen gab. Aber: „Wir haben nur darauf bestanden, dass jeder Athlet dieselben Testbedingungen bekommt.“ Fairness als Verteidigung, nicht mehr und nicht weniger.

Die Vorwürfe waren durch Ex-Verbandspräsident Bjørge Stensbøl angefacht worden. Er hatte von einem „kulturellen Problem“ gesprochen, von Angst vor frischem Blut. Auch Legende Ole Einar Bjørndalen hatte sich eingeschaltet und „Konkurrenzangst“ durch die Bank gemurmelt. Dale-Skjevdal kontert mit einem Rundumschlag: „Das ist respektlos gegenüber unserer Community. Wir leben von Wettbewerb, wir schlafen damit.“

Hedegarts kehrtwende nach geheimtreffen

Hedegarts kehrtwende nach geheimtreffen

Zunächst hatte der Langläufer abgelehnt. Ein Platz im Nachwuchsteam reichte ihm nicht, er forderte direkten Zugang zur A-Gruppe. Doch dann kam es zu einem Krisengespräch hinter verschlossenen Türen. Details sind nicht durchgesickert, aber die Botschaft war klar: Wer in Norwegen mitreden will, muss sich den Ritualen beugen. Hedegart wird nun doch im Nachwuchs starten – und tut das mit einer Statement-Kehrtwende: „Ich habe das Gefühl, das Angebot gibt mir genau das, was ich brauche.“

Die Zahl, die bleibt: vier Wochen liegen zwischen seinem ersten Nein und seinem neuen Ja. In diesem Fenster verloren die Verantwortlichen zwei Sponsoren, gewannen einen dafür zurück und verzeichneten 17 Millionen Kronen zusätzliche Medienwert­schöpfung. Geschäft eben.

Für den Weltcup-Auftakt in Kontiolahti steht Hedegart nicht auf der Liste. Aber die Skisaison ist lang, die Schneekanonen laufen bereits. Wer in Norwegen jetzt glaubt, die Geschichte sei gelaufen, kennt das Biathlon-Universum schlecht. Die nächste Runde fällt gleich mit dem ersten Schnee – und sie wird live übertragen.