Neymar fliegt wegen zettel-panne vom platz – santos droht der abstieg

Neymar war noch nicht fertig mit dem Spiel, da stand er schon in der Katakombengasse. In der 65. Minute blinkte am vierten Offiziellen die 10, nicht die 31. Sekunden später lief Robinho Júnior auf, derjenige, dem Neymar tags zuvor eine Ohrfeige verpasst hatte. Der Superstar zerriß den Wechselzettel, hielt ihn wie einen Beweisstück-Fetzen in die Kamera – vergeblich. Gelb. Aus. 0:3 gegen Coritiba. Die Bilder gehen um die Welt.

Der fehler, der keiner mehr ausbügeln konnte

Santos-Trainer Cuca hatte eigentlich Gonzalo Escobar runterholen wollen, den Argentinier mit der 31. Escobar hatte sich bei einem Zweikampf die rechte Wade geprellt, Neymar behandelte neben ihm den Ball. Cuca wandte sich ab, gab seinem Co den Zettel – und der schrieb Escobars Nummer auf. Doch der vierte Schiedsrichter las offenbar nur „1“ und ergänzte die „10“. Robinho Júnior, bereits in den Sechzehner joggen, konnte nicht mehr zurück. Die Regel ist hart: Wer den Balken überquert hat, gilt als ausgetauscht.

Die Folge: Neymar tobte, schlug die Hände über dem Kopf zusammen, sprach mit Schiedsrichter, Linienrichter, Kameras. Die Gelbe folgte auf den Protest, das Spiel war ohnehin verloren. Santos bleibt punktgleich mit dem ersten Abstiegsplatz, nur das bessere Torverhältnis hält den Traditionsklub noch über Wasser. Die Arena da Baixada kochte nicht vor Wut – sie verstummte. So tödlich klingt Stille im Fußball.

Warum der zwist mit robinho júnior jetzt explosive kraft entfaltet

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Interne Quellen berichten, Neymar habe Robinho Júnior am Vortag eine „erzieherische“ Ohrfeige verpasst, weil der Youngster im Training zu spät kam. Die Rückkehr auf den Platz sollte ein Actio-Gleichnis werden: Der Altstar verlässt verletzt, der Nachwuchs rettet die Ehre. Stattdessen schob Robinho Júnior sich genau jenen Spieler von hinten, der ihn zuvor diszipliniert hatte – und trat damit seine eigene Laufbahn in Santos in eine neue Phase. Die Kabine schwieg nach dem Schlusspfiff, nur der Mannschaftsbus summte leise, als wäre ein Bienenschwarm darin eingesperrt.

Der Klub reagierte umgehend auf Social Media: „Der vierte Schiedsrichter hat bei der Auswechslung einen Fehler gemacht. Dies wurde durch die Fernsehübertragung und durch den Zettel bestätigt, den die Schiedsrichter während des Wechsels verwendet haben. Ein unerklärlicher Fehler, der nicht korrigiert wurde.“ Die Formulierung klingt wie ein Anwaltsschreiben, das wissen auch die 2,3 Millionen Follower, die binnen 15 Minuten das Statement retweeteten. Der Druck auf die Schiedsrichter-Kommission wächst, doch das Spiel wird nicht wiederholt. Die Punkte sind weg, der Atemzug von 30 Sekunden wird die Saison definieren.

Neymars wm-ticket steht auf messers schneide

Neymars wm-ticket steht auf messers schneide

Am Montag verkündet Carlo Ancelotti seinen Kader für das XXL-Turnier in den USA, Mexiko und Kanada. Neymar, Rekordtorschütze der Selecao mit 79 Treffern, hat seit Oktober 2023 kein Länderspiel mehr bestritten. Die Knorpel-OP, die lange Reha, die privaten Eskapaden – alles schien überwunden, sobald er gegen Coritiba seine erste 90-Minuten-Marke seit dem Comeback erreichte. Jetzt steht er mit Gelb und Blessur da, Ancelotti muss entscheiden, ob er ein Gesicht mitnimmt, das gerade unfreiwillig vom Platz flog. Die Zeitung „O Globo“ titelt: „Neymar ta fora?“ – eine Frage, die Brasilien entzweit.

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Seit seiner Rückkehr nach Santos erzielte Neymar in zwölf Spielen drei Tore, zwei Vorlagen. Kein Elfmeter, keine Glanzparade, nur ein müder Schatten des Phantoms von Paris. Dennoch: In der engen Taktung eines Turniers ist seine Erfahrung Gold wert. Ancelotti schwankt zwischen Sentimentalität und Pragmatismus. Wenn er Neymar streicht, wird der Sturm der Entrüstung Brasilien erschüttern. Wenn er ihn mitnimmt, darf er sich nicht erlauben, dass ein vierte Offizielle erneut die falsche Nummer hebt.

Santos reist am Freitag nach Fortaleza, es geht gegen Ceará. Die Luft im Nordosten ist drückend, die Tabelle noch drückender. Neymar wird mit dem Team fliegen, ob als Passagier oder Spieler, entscheidet sich in den nächsten 48 Stunden. Die Ohrfeige von Robinho Júnior ist vergessen, die Ohrfeige der Schiedsrichter bleibt. Am Ende zählt nur, wer in der 38. Spielklassen steht – und wer nicht. Die 10 ist erst einmal nur eine Nummer auf einem Zettel, den niemand mehr lesen wollte.