Neymar: ancelottis taktischer schachzug im wm-thriller!
Rio de Janeiro bebte auf – und atmete dann wieder auf. Brasilien, der Rekordweltmeister, kämpfte sich im WM-Sechzehntelfinale gegen Japan mit einem Last-Minute-Tor durch Gabriel Martinelli (95. Minute) zum 2:1 ins Viertelfinale. Doch der größte Aufreger des Abends: Das Fehlen von Neymar über die volle Distanz. Ein Schachzug, der nun für hitzige Debatten sorgt.

Ancelottis plan: die verlängerung im blick
Trainer Carlo Ancelotti ließ Neymar überraschend die gesamte Partie von der Bank aus verfolgen. Viele Fans, die sich noch an das frenetische Comeback des Superstar nach 982 Tagen Nationalmannschaftsabsenze gegen Schottland (3:0) erinnerten, waren enttäuscht. Doch Ancelotti hatte einen Plan – und sprach diesen auch offen an. „Ich habe auf die Verlängerung gewartet“, erklärte der italienische Taktikfuchs. „Ich habe mit ihm gesprochen: Wenn wir den Ausgleich nicht erzielt hätten, wäre er zwischen der 60. und 65. Minute gekommen.“
Das bedeutet: Neymar stand bereit, eingewechselt zu werden, sollte es eng werden. Aber Ancelotti legte Wert auf Stabilität. „Ich wollte die Struktur nicht verändern, weil wir die Kontrolle über das Spiel hatten.“ Ein klares Bekenntnis zur taktischen Disziplin, das offenbar aufgegangen ist – wenn auch nur denkbar knapp. Die Entscheidung für die Ruhe, anstatt das Risiko eines frühen Wechsels einzugehen, zeigt Ancelottis Erfahrung und sein Vertrauen in die eingespielte Mannschaft.
Das Spiel selbst war ein Nervenkitzel. Japan schockierte Brasilien in der 29. Minute durch einen fulminanten Treffer von Kaishu Sano aus 19 Metern. Der Mainz-Star ließ die brasilianische Abwehr alt aussehen und traf zum 1:0. Casemiro gelang in der 56. Minute per Kopf der umjubelte Ausgleich. Die Spannung stieg ins Unermessliche – bis Martinelli in der Nachspielzeit den entscheidenden Treffer markierte. Ein Sieg, der Brasilien alles abverlangte.
Im Viertelfinale (5. Juli, 22 Uhr) wartet die Elfenbeinküste oder Norwegen auf die Seleção. Ein Duell, auf das sich die Fußballwelt bereits jetzt mit Spannung freut. Ob Neymar dann von Beginn an dabei sein wird, bleibt abzuwarten. Ancelottis taktische Fäden werden weiterhin die entscheidenden Weichen stellen.
