New york vor der wm: züge rasten aufeinander zu – tickende zeitbombe?
New York atmet auf, aber nicht unbeschwert. Weniger als zwei Monate vor dem WM-Anpfiff bahnt sich hier eine heikle Situation an, die das Turnier von Beginn an überschatten könnte: Die Zugpreise explodieren, die Polizei ist überlastet, und der Bürgermeister scheint mit der eigenen Politik zu hadern. Ein Besuch vor Ort bei ARD-Korrespondent Martin Ganslmeier.
Die rechnung ohne den gouverneur
Während in Berlin Fans kostenlos mit der Bahn zu den EM-Spielen fuhren, präsentiert New Jersey seinen Besuchern eine unverschämte Realität: 150 Dollar für eine Zugfahrt zum MetLife Stadium an einem WM-Spieltag. Gouverneurin Mikie Sherrill sieht darin eine Berechtigung, von der Fifa eine Beteiligung an den Transportkosten zu fordern, die sich auf schätzungsweise 50 Millionen Dollar belaufen. Eine Forderung, die die Fifa bislang brüsk abgewiesen hat, sich auf bestehende Verträge beruft und die Verantwortung für den Transport den Gastgeberstädten zuschiebt. Ein Katz-und-Maus-Spiel, das den Ruf der WM nachhaltig schädigen könnte.
Die Causa ist blanker Populismus. Die Fifa hat recht, aber der Eindruck entsteht, dass die Gastgeberstaaten versuchen, die Einnahmen des Fußballverbands für eigene Zwecke zu nutzen. Und das vor dem Hintergrund eines Turniers, das ohnehin schon wegen seiner Größe und der weiträumigen Verteilung der Spiele kritisiert wird.

Ticketpreise, die schrecken
Die Zugpreise sind nur die Spitze des Eisbergs. Bereits jetzt sind die Ticketpreise für die WM astronomisch. Die günstigsten Karten kosteten 200 Dollar, und wer es bequemer mag, muss mit 400 bis 1.000 Dollar pro Ticket rechnen. Im Vergleich dazu: In New York sind die Preise für Basketball-Playoff-Tickets mit 300 Dollar aufwärts keine Seltenheit. Für Familien mit Kindern ist dieses Preisniveau kaum finanzierbar – ein bitterer Kontrast zur vermeintlichen Volksfeststimmung, die mit einem Großereignis wie der WM einhergehen sollte.

Ein bürgermeister im zwielicht
Zohran Mamdani, der neue Bürgermeister von New York, hat sich im Wahlkampf gegen die hohen Preise ausgesprochen. Doch nun hat er per Notverordnung die Veranstaltung von Sonderveranstaltungen in über 100 Parks der Stadt untersagt, angeblich, weil die Polizei nicht in der Lage ist, die Sicherheit zu gewährleisten. Ein widersprüchliches Vorgehen, das den Eindruck erweckt, als würde Mamdani zwischen zwei Fronten hin- und hergerissen sein. Der WM-Hype scheint in New York noch nicht angekommen. Die Menschen reden lieber über Baseball und Basketball.
Kein fanfest wie in berlin
Während in Berlin eine lebendige Fanmeile zum Herzstück der EM wurde, wird es in New York kaum vergleichbare Möglichkeiten geben, die Fußballbegeisterung öffentlich auszuleben. Ein paar kleinere Fanflächen vor dem Rockefeller Center und den Hudson Yards, aber das ist weit entfernt von der Atmosphäre einer echten Fanmeile. Es scheint, als ob die Stadt die WM eher als Belastung denn als Chance betrachtet.
Martin Ganslmeier, ARD-Korrespondent in New York, schildert ein Bild der Verunsicherung und des Unbehagens. Die WM nähert sich mit Riesenschritten, aber in New York herrscht noch immer eine merkwürdige Distanziertheit. Ob sich das bis zum Anpfiff ändert, bleibt abzuwarten. Fest steht: Die Züge rasen aufeinander zu, und die Zeit läuft ab.
