Neuer besiegt madrid, dreesen beschimpft polizei: bayerns nacht der zwei gesichter

21 Jahre nach Élbers 0:1 feiert der FC bayern wieder im Bernabéu – und prompt gibt es nicht nur Sekt, sondern auch Ärger. Nach dem 1:0 im Halbfinal-Hinspiel stieg die Mannschaft noch in Madrid ab, doch die Stimmung kippte, als Jan-Christian Dreesen die Eskapaden der spanischen Polizei anprangerte.

Der sieg: neuer wird zum x-faktor

Gegen den Ball und gegen die Uhr hielt Manuel Neuer seinen Kasten sauber – und wurde dafür auf der Teamfeier zum „cuarentón“ des Abends erklärt. „Hoy tuvimos algo que el Real no tenía: nuestro portero de talla mundial“, rief Dreesen den Spielern zu, ehe er Neuer ein handsigniertes Trikot mit der Aufschrift „Souvenir de Madrid“ überreichte. Die Gäste sangen, die Köpfe waren bereits in München, wo am kommenden Mittwoch die K.o.-Runde komplett wird.

Der vorfall: reizgas statt willkommen

Der vorfall: reizgas statt willkommen

Was außerhalb des Rasens geschah, beschädigte die Siegesstimmung. bayern-Fans, die sich wie üblich über den Auswärtseingang Z 13 nähern wollten, wurden laut Zeugen von der Policía Municipal mit Reizgas und Stöcken empfangen. „Dieses Vorgehen gegen friedliche Anhänger ist unverständlich und inakzeptabel“, sagte Dreesen der Süddeutschen Zeitung. „Es kann nicht sein, dass sich polizeiliches Fehlverhalten inzwischen zur Normalität bei Auswärtsspielen in Europa entwickelt.“

Die bayern-Führung reagierte sofort: Sicherheitsdirektor Jochen Drees verlangte eine Stellungnahme der UEFA und sammelte Fotos verletzter Fans. Der Klub will die Vorfälle in seinem offiziellen Spielbericht an die europäische Fußball-Union weiterleiten.

Die begegnung: vollständig in kampfausrüstung

Die begegnung: vollständig in kampfausrüstung

Schon am Dienstagvormittag hatte ein Treffen der Sicherheitsbeauftragten Alarm ausgelöst. Wie SZ-Reporter berichten, erschien der Kommandeur der Madrider Bereitschaftspolizei im kompletten Anti-Aufstands-Gear – Stiefel, Helm, kugelsicheres Westen-Modell „Grosser Bär“. bayern-Delegierte werteten den Auftritt als demonstrative Machtprobe. „In Retrospektive wirkt das wie eine Ansage“, heißt es intern.

Der Klub reiste deshalb mit eigenen Bodycams und zusätzlichen Ordnern an, doch die Maßnahmen halfen offenbar wenig. Mehrere Zuschauer erlauterten leichte Verletzungen, ein 17-Jähriger musste wegen Tränengas-Reizung im Stadionarzt behandelt werden.

Die bilanz: 90 minuten ruhm, 90 minuten alarm

Zurück in München wartet jetzt die Reparaturarbeit. Die sportliche Lage ist komfortabel: Ein Auswärtstor würde Real Madrid zwingen, dreimal zu treffen. Die politische Lage bleibt angespannt: Die bayern-Führung will beim Rückspiel Sicherheitsgarantien und droht mit offizieller UEFA-Beschwerde. 25 Jahre hat der Rekordmeister auf einen Sieg im Bernabéu gewartet – die nächste Reise nach Madrid dürfte deshalb juristisch ebenso spannend werden wie sportlich.

Ein Sieg, zwei Fronten: Der FC Bayern kehrt mit drei Punkten und einem Protest heim. Wenn das Rückspiel pfeift, steht nicht nur das Finale auf dem Spiel, sondern auch die Frage, ob Fußball in Europa noch Gastfreundschaft oder nur noch Gefahrengebiet heißt.