Nesta kehrt nach 30 jahren zurück – avellino gibt weltmeister den job
Alessandro Nesta steigt wieder ein. Nach zwölf Monaten Funkstille unterschreibt der 50-Jährige in diesen Stunden beim Serie-B-Klub US Avellino 1912. Der Flug aus Montreal landet zwischen Montag und Dienstag in Neapel, die Unterschrift unter einem Zweijahresvertrag folgt sofort.
Der letzte Beweis, dass er den Stiefel an der Seitenlinie noch beherrscht? Immerhin durfte er in Monza die Klasse nicht halten und wurde zwischendurch versetzt. Doch die irregoläre Serie-B-Saison 2023/24 mit Reggiana (Platz 11), die davor Perugia (8.), Frosinone (8.) und erneut Frosinone als gescheiterter Aufstiegskandidat – all das spielt in Avellino keine Rolle. Die Lupi wollen nach den überraschenden Play-offs sofort wieder angreifen.
Alte bekannte und neue feuer
Das erste Gespräch führt Armando Izzo – Kapitän und Nestas ehemaliger Führungsspieler aus Monza. Gemeinsam bauen sie eine Dreierkette, die sich bisher wie ein roter Faden durch Nestas Trainerkarriere zieht. Mal 3-4-2-1, mal 3-5-2, stets mit kompaktem Block und schnellen Umschaltmomenten. Izzo trägt wieder die Binde, Nesta das Headset. Die Chemie sitzt.
Neapel lockt mit 52.000 Stimmen im Stadio Partenio-Lombardi, doch der Neubau ist noch immer eine Baustelle. Bürgermeister Nello Pizza muss jetzt liefern, sonst droht die dritte Heimspiel-Saison in der Provinz Caserta. Die Fans jedenfalls träumen laut: „Wir wollen wieder oben mitspielen – und wer könnte das besser organisieren als ein Weltmeister?“

Vom golden boy zum grizzled coach
Am 28. August 1996 stand Nesta erstmals dort, wo er jetzt regiert: Als 20-jähriger Außenverteidiger mit Bob-Frisur und Rückennummer 13. Zeman pfeifte ihn an die Innenverteidigung, Nesta nickte nur. Dreißig Jahre später hat er 89 Länderspiele, zwei Champions-League-Titel, zwei Scudetti und einen WM-Sieg im Gepäck. „Ich habe mich damals wie der Papst gefühlt“, sagte er nach dem Titelgewinn mit Lazio 2000.
Jetzt wird er wieder Provinzcoach. Kein Glamour, nur 600.000 Euro Jahresgehalt, dafür echte Entwicklungsarbeit. „Wer in der Peripherie aufwächst, hat eine Waffe: die Finesse“, ließ er kürzlich verlauten. Die Statistik dazu: 78 Zweitliga-Spiele, 32 Siege, 27 Remis, 19 Niederlagen – solide, aber ohne den großen Knall. Avellino will diesen Knall jetzt.
Der Countdown läuft: Montag Ankunft, Dienstag Vertragsunterzeichnung, Mittwoch erstes Training. Ein Weltmeister kehrt in die zweite Reihe zurück – und Avellino träumt laut von der ersten.
