Nawrath zittert am holmenkollen: 3,7 sekunden vom ersten sieg entfernt

3,7 Sekunden. So knapp war Philipp Nawrath am Samstag im norwegischen Holmenkollen von seinem zweiten Weltcup-Sieg entfernt. Er schoss fehlerfrei, sprintte Seite an Seite mit dem Norweger Johan-Olav Botn in die Schlussrunde – und musste sich dennoch mit Rang zwei zufriedengeben. Für die deutschen Biathleten endet damit eine historisch schwache Saison: Zum ersten Mal seit Einführung des Weltcups blieben sie ohne ein einziges Sieg.

Der lauf, der keine antwort mehr war

Nawrath selbst klang trotzdem wie ein Sieger. „Das war echt wohltuend. So perfekt durchzukommen, war genial“, sagte er im ZDF. Der 31-Jährige hatte alle fünf Schießeinlagen sauber verarbeitet, war im Verfolgermodus mit Botn ins Stadion eingebogen. Doch auf der letzten Steigung fehlte die Power. „Da tue ich mich sehr schwer, vom Fleck zu kommen“, gestand er. Die Beine wurden schwer, der Blick nach vorn bleibt trotzdem klar: Platz zwei – das war seine beste Platzierung in diesem Winter.

Für den Deutschen Skiverband (DSV) war es bereits der achte Podestplatz der Saison – ein Trostpokal, mehr nicht. Justus Strelow wurde 15., Philipp Horn 21. In der Nationenwertung landeten die deutschen Männer nur auf Rang vier, hinter Norwegen, Frankreich und Schweden. Das ist keine Momentaufnahme, sondern ein strukturelles Problem. Die Skistalker aus dem Süden Europas haben die deutsche Mannschaft abgehängt – und das mit einer Konstanz, die weh tut.

Perrot krönt sich zum dreifach-gewinner

Perrot krönt sich zum dreifach-gewinner

Während die deutsche Truppe den Kopf schüttelt, feiert Eric Perrot seinen dritten Disziplin-Triumph dieser Saison. Der Franzose sicherte sich mit Platz drei im Massenstart auch noch die letzte Wertung – nach Verfolgung und Einzel. Er läuft, schießt, dominiert. Ein Lehrbeispiel für Effizienz, das die deutschen Athleten vor Augen haben sollten.

Nawrath schob sich durch die 3,7 Sekunden Rückstand immerhin noch in die Top Ten des Gesamtweltcups. Das ist kein Trost, aber ein Anker. Die Saison ist vorbei, die Sommerpause beginnt. Am 26. November geht es in Kontiolahti weiter, die WM 2027 findet in Otepää statt. Bis dahin bleibt viel Zeit – und viel zu tun. Denn ohne Sieg wird der deutsche Biathlon zur Randnotiz. Das weiß auch Philipp Nawrath. Und er weiß: 3,7 Sekunden können eine Saison entscheiden – oder eine Karriere beflügeln.