Nagelsmann verkündet wm-kader: überraschungen und fragezeichen
Die Spannung war kaum zu überbieten: Julian Nagelsmann hat seinen 26-Mann-Kader für die anstehende Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko bekannt gegeben. Ein Kader, der zwar ambitioniert wirkt, aber auch einige Fragen offen lässt. Nach den letzten Leistungen der Nationalmannschaft ist die Erwartungshaltung gedämpft, aber der Bundestrainer kündigt an, mit seiner Mannschaft zu kämpfen, um den Titel.
Die großen überraschungen blieben aus
Nagelsmann blieb bei seiner Linie und nominierte eine Mischung aus erfahrenen Spielern und talentierten Nachwuchskräften. Es gab keine allzu großen Überraschungen im Vergleich zu den vorherigen Testspielen. Allerdings sorgte die Nominierung von Nick Woltemade für einige Stirnrunzeln – der Stürmer des HSV hat zwar Potenzial, aber die Konkurrenz ist enorm.
Die Abwesenheit von einigen Leistungsträgern wie Kroos ist natürlich spürbar. Aber das ist ja keine Neuigkeit mehr. Die Frage, ob der Kader tatsächlich die nötige Tiefe hat, um in einem Turnier mit solch starken Gegnern bestehen zu können, bleibt offen. Ein Blick auf Frankreich macht deutlich, wo wir stehen.

Frankreich als maßstab – und unsere probleme
Die „Équipe Tricolore“ präsentiert sich mit einer schier unglaublichen Auswahl an Weltklassespielern. Die Offensive ist schlichtweg beeindruckend, die individuelle Qualität kaum zu toppen. Im Vergleich dazu wirkt unser Angriff eher löchrig. Kai Havertz muss aushelfen, Undav und Woltemade haben die Klasse, aber eben nicht das Standing von Mbappé und Co. Das ist der Unterschied, den wir erkennen müssen.
Und auch im Mittelfeld hapert es. Aleksandar Pavlovic ist zwar ein Talent, aber noch nicht in der Lage, die Rolle eines Spielgestalters zu übernehmen. Pascal Groß als „verbindende Wirkung“ klingt gut, aber reicht das, um gegen die Top-Mannschaften der Welt zu bestehen? Leon Goretzka hat in dieser Saison ebenfalls nicht seine Stärksteleistungen gezeigt. Ein Toni Kroos fehlt uns schmerzlich.
Die Defensive ist solide, aber auch hier gibt es Fragezeichen. Die Nominierung von Waldemar Anton anstelle von Matthias Ginter, der gerade erst mit Freiburg das Europa-League-Finale erreicht hat, wirft Fragen auf. Nagelsmann muss hier die richtigen Entscheidungen treffen, um die Abwehr stabil zu halten.
Es ist ein schmaler Grat. Nagelsmann sieht sich Herausforderungen gegenüber, aber er glaubt an seine Mannschaft. Er will die Spieler „kitzeln“, um das Maximum herauszuholen. Eine ambitionierte Zielsetzung, angesichts der schwierigen Gruppengegner – Brasilien, Niederlande und Frankreich – aber auch eine notwendige. Nur so kann die Nationalmannschaft eine Chance haben, das Turnier erfolgreich zu bestreiten.
Die WM-Vorbereitungen sind in vollem Gange. Ob der Kader von Nagelsmann letztendlich ausreicht, um die Erwartungen zu erfüllen, wird die Zeit zeigen. Eines ist jedoch klar: Es wird ein hartes Stück Arbeit.
