Nagelsmann lässt neuer sausen – finnland-test wird kader-feuerprobe

Mainz wird am Sonntagabend zur Glaskugel. Wer dort um 20.45 Uhr in der MEWA ARENA brilliert, erhält einen letzten, echten Schub für die WM-Endfahrt. Wer patzt, fliegt vielleicht doch noch aus Julian Nagelsmanns 26-Mann-Kader. Die Personalie Manuel Neuer bestimmt seit Tagen die Schlagzeilen – doch der 40-jährige Rückkehr will der Bundestrainer gar nicht riskieren. „Er spielt nicht“, sagte Nagelsmann knapp und verwies auf „vorsorgliche Gründe“. Spätestens beim Auftakt in die USA-Kanada-Mexiko-Tour soll der alte Fuchs wieder zwischen den Pfosten stehen. Klar ist: Gegen Finnland muss Marc-André ter Stegen liefern.

Trikotfarbe rot, stimmung gelb-blau

Das ZDF überträgt live ab 20.15 Uhr, moderiert von Katrin Müller-Hohenstein mit den Experten Christoph Kramer, Per Mertesacker und Friederike Kromp. Kommentator Oliver Schmidt bekommt einiges zu tun, denn die DEBATTE um die Nicht-Nominierung von Matthias Ginter und Saïd El Mala schwelt weiter. Entlastung könnte nur eine Gala gegen die Skandinavier bringen – die seit 2016 nicht mehr gegen Deutschland antraten und damals mit 0:2 nach Hause fuhren.

Die Finnen selbst haben die Reisegäste-Rolle perfektioniert: ohne WM-Ticket, dafür mit der Ruhe des Außenseiters. Schon damals 2016 war der Blick Richtung Sommersonne – nur dass diesmal für die Suomi-Kicker keine Südamerika-Fantasien aufkommen.

Taktik-check: was nagelsmann testen will

Taktik-check: was nagelsmann testen will

Der Bundestrainer dürfte seine Dreier- und Viererkette kurz hintereinander auflaufen lassen. Im Mittelfeld könnte Jamal Musiala als halblinks agierender Achter endlich wieder mit Tempo in die Tiefe gehen. Vorne könnte Niclas Füllkrug die Spitze erobern – ein Tor gegen Finnland und die Sturmdebatte wäre vorläufig entschieden. Die Defensive? Dort wartet Antonio Rüdiger auf klare Ansagen, schließlich will er vor Ort in Mainz keine Zweifel aufkommen lassen.

Zuschauerzahlen als Gradmesser: Lagen bei der letzten WM-Generalprobe gegen Frankreich noch bei 8,31 Millionen, dürften es diesmal – dank Neuer-Frust und Ginter-Diskussion – locker über neun Millionen schaffen. Die Quote spricht Bände: Deutschland will Antworten. Und zwar jetzt.

Am Ende zählt ein Satz, den Kramer in der Analyse wohl wiederholen wird: „Wir brauchen ein klares Signal.“ Ob Finnland dabei als Kanonenfutter oder Stolperstein dient, entscheidet sich Sonntagabend live. Punkt. Kein Fragezeichen, nur ein Punkt.