Nach 28 jahren: schottland feiert wm-rückkehr und will den fluch brechen

Die Straße von Glasgow bis Edinburgh war ein Meer aus Tartan. Autos hupten, ein 78-jähriger Fan weinte in der Prince Street. Schottland ist wieder dabei, nach 10.227 Tagen ohne Turnier endlich wieder Teil des größten Sportspektakels der Welt.

Das 2:1 gegen Dänemark war kein Kunststück, es war die Belohnung für eine Generation, die sich seit Jahren verzweifelt an die Qualifikationsklettereisen klammerte. Der Moment, als Scott McTominay in der 88. Minute den Elfmeter verwandelte, reichte, um 5,4 Millionen Schotten gleichzeitig schreien zu lassen – laut Decibel-Messung der BBC so laut wie ein startender Tornado.

Steve clarkes letzter sturm

Der 62-jährige Trainer hat keine Zeit für Romantik. "Wir haben die Qualifikation geschafft. Jetzt kommt die Arbeit", sagte er nur, während hinter ihm die Kabine mit Irn-Bru überschwappte. Clark kennt den Druck. Seine Laufbahn liest sich wie ein Who-is-who der englischen Schmerzen: Chelsea, Liverpool, West Ham – immer Co-Trainer, nie der Boss. Bis jetzt.

Seine WM-Bilanz als Spieler? Sechs Länderspiele, null Tore. Als Coach? Noch keine WM-Spiele. Das ändert sich ab dem 14. Juni in Miami gegen Haiti. Und dann kommt Brasilien.

Die ungeschminkte wahrheit der bravehearts

Die ungeschminkte wahrheit der bravehearts

Schottland war achtmal bei einer Weltmeisterschaft dabei. Achtmal schied es in der Gruppenphase aus. Die Statistik ist so konstant wie schottischer Regen. Aber diesmal fühlt sich anders an.

Die Defense steht. Andy Robertson und Kieran Tierney verstehen sich blind. Craig Gordon ist mit 41 Jahren noch immer eine Katze zwischen den Pfosten. Im Mittelfeld hat John McGinn diese Saison für Aston Villa 13 Tore erzielt – mehr als jeder Schotte zuvor in einer einzigen Premier-League-Saison.

Der kader, der die nation trägt

Der kader, der die nation trägt

Clarke setzt auf Erfahrung und jugendliche Wildheit. Ché Adams aus Turin soll das Tor-Gewitter liefern, Lyndon Dykes von Charlton Athletic ist der Luftkampf-König. Hinten verteidigt Jack Hendry in Saudi-Arabien gelernte Geduld. Neben ihm steht Grant Hanley, der Kapitän in der Hölle von Hibernian.

Ein Name fehlt: Billy Gilmour. Der 23-Jährige von Neapel wurde nominiert, obwohl er seit Wochen nur Bank drückt. Clarke: "Er braucht diese Erfahrung. Irgendwann wird er uns retten."

Gruppe c: das pulverfass

Haiti, Marokko, Brasilien – drei Kontinente, drei Fußballkulturen. Die FIFA hat die Lostöpfe geschüttelt und Schottland direkt in den Hexenkessel geschickt. Die erste Partie um 3 Uhr Ortszeit, die letzte um Mitternacht. Zeitverschiebung als zusätzlicher Gegner.

Clarke hat bereits angekündigt, dass er gegen Brasilien nicht defensiv spielen wird. "Wir haben nichts zu verlieren. Außer vielleicht die nächste Runde."

Nach dem Sieg gegen Dänemark waren es nicht die Spieler, sondern die Fans, die die Schlagzeilen machten. 50.000 Menschen sangen "Flower of Scotland" unisono. Kein Auto bewegte sich in Edinburgh für zwei Stunden. Der Verkehr stand still, die Nation nicht.

Der Countdown läuft. 28 Jahre Warten. Eine Nation hält den Atem an. Es ist Zeit, die Geschichte neu zu schreiben.