Mussolini, meazza und die schande von mailand: wie österreich bei der wm 1934 betrogen wurde
Mailand, 1934. Ein WM-Halbfinale, das bis heute als einer der größten Skandale im Fußballgeschichtschreib erinnert. Österreich, das „Wunderteam“, stand vor dem Ausscheiden gegen den Gastgeber Italien – und die Umstände waren alles andere als fair. Eine Mischung aus Überheblichkeit, politischem Einfluss und fragwürdigen Entscheidungen des Schiedsrichters sorgte für eine bittere Niederlage, die bis heute nachwirkt.
Die arroganz des öfb: forderungen, die die fußballwelt aufhorchen ließen
Schon lange vor dem Turnier sorgte der Österreichische Fußballverband (ÖFB) für Irritationen. Während die Welt sich auf die WM in Italien vorbereitete, schickten die Wiener Klubs ernsthafte Anträge an den ÖFB, die FIFA möge die WM doch bitte um einige Tage verschieben. Der Grund? Sie wollten ihre Meisterschaftsspiele rechtzeitig abschließen. Eine Forderung, die im deutschen Fachmagazin „Der Abend“ mit blankem Unverständnis aufgenommen wurde: „Es kann doch aber nicht verlangt werden, dass sich die Vereine der anderen Länder wegen dieser italienischen Gepflogenheit ruinieren!“
Diese Schlagzeilen spiegeln eine Denkweise wider, die tief in der österreichischen Fußballkultur der Zeit verwurzelt war: Die Überzeugung, im Zentrum der Fußballwelt zu stehen. Ein Irrtum, der sich im weiteren Verlauf des Turniers als fatal erweisen sollte.

Der fragwürdige schiedsrichter eklind und das tor, das die geschichte schrieb
Das Semifinale gegen Italien offenbarte dann das ganze Ausmaß der Manipulation. Der schwedische Schiedsrichter Ivan Eklind, dessen nächtlicher Besuch beim Duce bereits gemunkelt wurde, traf eine Entscheidung, die bis heute kontrovers diskutiert wird. Nach einem Zusammenstoß zwischen Österreichs Torhüter Peter Platzer und Italiens Giuseppe Meazza, der Platzer aus dem Tor rammte, ließ Eklind das Tor von Enrique Guaita zählen. Die Bilder, die die alten Filmaufnahmen zeigen, sind eindeutig: Platzer ließ den Ball fallen, bevor Guaita ihn über die Linie drückte. Ein Tor, das politisch motiviert gewesen sein könnte.
Die Demoralisierung war komplett. Das österreichische Team, das zuvor mit beeindruckenden Siegen glänzte, verlor das Spiel um den dritten Platz gegen Deutschland mit 2:3 und kehrte als WM-Vierter nach Hause zurück – ein Ergebnis, das durch die Umstände getrübt war.

Sindelar und das genie, das nicht mehr war
Ein weiterer Aspekt, der die Leistung des österreichischen Teams beeinflusste, war die Frage nach Matthias Sindelar, dem „Papierenen“, dem unbestrittenen Star des Wunderteams. Verbandskapitän Hugo Meisl verzichtete auf Sindelar, da er ihm nicht mehr den Schwung und Torhunger zusprach, den er einst besaß. Eine taktische Entscheidung, die im Nachhinein kritisiert wurde, da Sindelar durchaus noch gefährlich gewesen wäre. Die Zahlen der Saison 1933/34 sprachen jedoch für Meisls Einschätzung: Sindelar erzielte 22 Meistertor, so viele wie nie zuvor und nie mehr danach.
Die WM 1934 in Italien bleibt somit ein dunkler Fleck in der österreichischen Fußballgeschichte – ein Beispiel für politische Einflussnahme, fragwürdige Schiedsrichterentscheidungen und die Arroganz einer Mannschaft, die sich selbst zu ernst nahm. Ein Skandal, der bis heute nachwirkt und die Frage aufwirft: Könnte das Wunderteam mit fairer Behandlung Geschichte geschrieben haben?
