Musiala schreit nach support – doch die bayern-fans schweigen bewusst
Der Ball rollt, die Südtribüne brüllt, aber im Block der Münchner herrscht Stille. Jamal Musiala bekommt es mit, er kann es nicht fassen. Mittendrin im 3:2-Kracher gegen Dortmund fordert der 23-Jährige seine eigenen Leute zum Mitsingen auf – und kassiert stattdessen eine Ohrenfeige.
Warum die kurve leer blieb
Die Antwort kommt nicht von der Tribüne, sondern vom Zaun. Ein Sprecher der Bayern-Ultras ruft Musiala heran, erklärt ihm in Windeseile, dass rund 300 Karteninhaber draußen geblieben sind. Grund: die Polizeikontrollen vor dem Stadion, bei denen Ordner angegriffen worden sein sollen. Die Folge: 29 Strafverfahren wegen Hausfriedensbruch, ein leerer Block und ein Star, der plötzlich mitten im Spiel eine Crashkurs in Fanpolitik erhält.
Die Szenen sind ungewöhnlich. Musiala, erst in der 63. Minute eingewechselt, warmt sich in der ersten Halbzeit an der Seitenlinie. Jedes Mal, wenn er an der Gästeecke vorbeiläuft, wirft er verstohlene Blicke in den halbleeren Sektor. Seine Geste: erhobene Arme, ein stummer Appell. Die Antwort: erhobene Mittelfinger, aber nicht gegen ihn – gegen die Ordner, die seine Fans zuvor in Schach gehalten haben.

Der moment, als der klassiker zur nebensache wurde
In der 78. Minute dann das Bild, das durchs Netz geht. Musiala steht am Zaun, ein Schal hängt herunter, die Kappe verrutscht. Er hört zu. Die Fans erklären ihm, warum sie „Keine Atmosphäre machen“, wie es später auf Twitter heißt. Er nickt. Dann dreht er sich um, sprintt zurück auf den Rasen – und trifft postwendend das 3:2. Jubel? Fehlanzeige. Die eigene Kurve bleibt stumm. Die Dortmunder Südtribüne feiert ihn stattdessen mit Spottgesängen.
Die Polizei Dortmund bestätigt, dass es vor Spielbeginn zu „körperlichen Auseinandersetzungen“ gekommen sei. Die Beamten hätten eingreifen müssen, um den Ordnern zu helfen. Videos zeigen, wie Bayern-Fans gegen Absperrungen treten, wie Pfefferspray eingesetzt wird. Die Münchner Fanbeauftragten sprechen von „übertriebener Gewaltanwendung“, die Polizei von „notwehrrechtlichem Handeln“. Beide Seiten kündigen rechtliche Schritte an.
Für Musiala ist der Vorfall mehr als eine Anekdote. Er, der sonst für seine Ruhe bekannt ist, hat beim Verlassen des Stadions keine Mikrofragen zur Taktik beantwortet. Stattdessen murmelt er: „Wir müssen mit unseren Fans reden, nicht über sie.“ Ein Satz, der in München noch nachhallen wird. Denn wenn der Liebling der Kurve plötzlich vor leeren Reihen Tore schießt, ist das nicht nur ein Spielverlust – das ist ein Stimmungsverlust.
Am Ende steht ein Sieg, aber keiner jubelt. Die Bayern haben drei Punkte geholt, ihre Fans haben ihre Stimme zurückgehalten. Und Jamal Musiala? Der hat gelernt, dass man in Dortmund nicht nur gegen den BVB gewinnt, sondern auch gegen die eigene Leere.
