Mt melsungen verspielt in dänemark den viertelfinal-traum

Klaus Schäfer, TSV Pelkum Sportwelt – 29:35 in Fredericia. Die MT Melsungen fuhr nach 60 Minuten mit einer blutenden Abwehr und einem Sechs-Tore-Rückstand aus Dänemark zurück. Das Viertelfinale der European League rückt in weite Ferne, denn am Dienstag in Kassel muss nun ein Handball-Wunder her.

Die erste hälfte war ein albtraum in echtzeit

Schon nach fünf Minuten lag die MT 1:5 zurück, und was danach folgte, hatte wenig mit europäischem Spitzenhandball zu tun. Fredericia spielte mit Pressschlag-Tempo, zwang die Nordhessen in jedem Angriff zur Eile und nutzte jede Lücke. 19 Gegentore zur Pause – so viele kassierte Melsungen in dieser Saison noch nie in einem einzigen Drittel. Der Kreisläufer Louis Boldsen schien sich gegen jeden MT-Block einen Weg zu bahnen, während Niklas Landin im Tor der Dänen die Latte mit den Fingerspitzen segnete.

Trainer Michael Roth wechselte sich in der Defensive buchstäblich aberwitzig durch, probierte 3–2–1, 5–1, sogar eine offene Manndeckung – nichts fraß das Tempo der Hausherren. Dazu kam, dass Melsungen im Angriff zu statisch agierte: Kreiszuwürfe gegen die kompakte dänische Viererkette, Rückraumwürfe auf den gut abgesicherten Landin. Nur Julius Kühn hielt mit fünf Treffern die Fahne hoch, doch er war Einzelkämpfer in einem Kollektiv, das die Orientierung verlor.

Zehn tore zwischen hoffnung und resignation

Zehn tore zwischen hoffnung und resignation

Mit 13:19 ging es in die Kabine, und wer dachte, Roth würde die richtigen Worte finden, wurde enttäuscht. Die MT startete mit demselben Personal, kassierte postwendend das 13:21 und lag mitte der zweiten Hälfte beim 18:28 sogar mit zehn Treffern zurück. Die Halle in Fredericia tobte, die mitgereisten 200 Fans aus Nordhessen verstummten. Erst als Roth auf die offensive 4–2-Deckung umstellte und Torhüter Gustav Davidsson für einen zusätzlichen Feldspieler wechselte, gelangen drei schnelle Treffer in Serie. Doch die Aufholjagd kam zu spät, die Dänen verwalteten das Plus souverän bis zum 35:29.

Die Zahneklapper der Statistik: 19 technische Fehler, 35 Gegentore, nur 54 % Fangquote – das ist kein Europa-League-Niveau, das ist B-Bezirksliga am Feiertag. Und dennoch: Im Rückspiel am Dienstag (19.00 Uhr, Rothenbach-Halle) ist alles drin, sagt Roth: „Wir brauchen ein 9:0-Start und dann eine Halle, die brüllt.“ Realistisch? Vielleicht nicht. Aber der Sport lebt von solchen Nächten, in denen Zahlen nur Papier sind.

Die Aufgabe ist klar: Sieben Tore aufholen, um in Verlängerung zu kommen, acht Tore, um direkt zu gewinnen. Die MT muss ihre Abwehr umstellen, Tempo aus der Zweiten Welle ziehen und vor allem Kreisräume finden, die Fredericia in Kassel nicht so leicht zugestehen wird. Denn die Dänen wissen: Ein Tor Vorsprung reicht, um die Nordhessen erneut zu zwingen, das Risiko zu suchen. Und mit jedem Risiko wächst die Chance auf den nächsten Konter.

Die Saison der MT steht auf dem Spiel, der Europapokal-Traum schwebt am seidenen Faden. Am Dienstag wird Rothenbach kochen – oder schweigen. Die Uhr tickt.