Mourinho kehrt zurück: real madrids wette auf alte größe?

Madrid – Ein Raunen ging durch die Fußballwelt, als am Dienstagabend die Nachricht verkündet wurde: José Mourinho kehrt nach 13 Jahren zurück zu Real Madrid. Für 15 Millionen Euro Ablöse lotst der spanische Rekordmeister den Portugiesen aus Benfica an die Bernabéu-Bank. Eine Entscheidung, die mit gemischten Gefühlen aufgenommen wird, aber die Frage aufwirft: Kann Mourinho Real zurück an die Spitze bringen?

Turbulente zeiten erfordern einen starken mann

Die letzten Monate in Madrid waren von Chaos und Unruhe geprägt. Der unglückliche Abgang von Xabi Alonso, gefolgt von der ebenso verkrampften Amtszeit seines Nachfolgers Álvaro Arbeloa, hatten die Stimmung im Verein nachhaltig getrübt. Der öffentlich ausgetragene Streit zwischen Valverde und Tchouaméni, der in einem Krankenhausaufenthalt gipfelte, verdeutlichte das Ausmaß des Problems: Der Haussegen in Madrid schien so weit bedenklich zu schwingen. Real Madrid stand vor einer Mammutaufgabe – und genau das ist die ideale Spielwiese für José Mourinho.

Seine Rückkehr gleicht einem Schachzug der Verzweiflung, aber eben auch einem kalkulierten Risiko. Denn so hart es klingt: Mourinho ist ein Spezialist dafür, Mannschaften in der Krise zu reaktivieren. Wie Eurosport España-Experte Jorge Ordás treffend bemerkte, geht es bei dieser Verpflichtung vielleicht weniger um die sofortigen Titelträume als vielmehr darum, den Glanz der glorreichen Jahre zwischen 2010 und 2013 wiederzubeleben.

Es geht um mehr als nur um die Champions League, die Mourinho damals zwar nicht gewann, aber deren Grundlagen er doch schuf. Die legendären 100 Punkte in der Saison 2011/12 unter seiner Führung waren nur die Spitze des Eisbergs. Viel wichtiger war die Disziplin und die Kampfesfreude, die er in die Mannschaft brachte.

TNT Sports-Analyst Ben Snowball sieht den Kern des Problems klar: „Die Top-Teams Europas – Paris Saint-Germain, Arsenal, Bayern München – zeichnen sich durch ihren ausgeprägten Teamgeist aus. Genau hier könnte José Mourinho den Unterschied ausmachen.“

„Wir gegen die welt“ – ein mantra, das polarisiert

„Wir gegen die welt“ – ein mantra, das polarisiert

Die Wahrheit ist: Bevor auf dem Rasen wieder Tiki-Taka oder spektakuläre Angriffe gespielt werden können, muss erst einmal Ruhe einkehren. Der Versuch, eine Galaktik aus Einzelstars zu formen, ist gescheitert. Es braucht eine Mannschaft, die zusammenhält, die für den Verein kämpft. Mourinho ist ein Meister darin, eine „Wir gegen die Welt“-Mentalität zu schaffen. Aber diese Entwicklung wird Zeit brauchen, und Mourinho wird sich damit nicht nur Freunde machen – weder bei einigen Spielern noch bei Teilen der Fans.

Wird Florentino Pérez seinem alten Wegbegleiter auch in schwierigen Zeiten die Treue halten, wenn die Ergebnisse ausbleiben? Das ist die entscheidende Frage.

Es wird kein Fußballmärchen werden, das steht fest. Nach elf Jahren ohne Meisterschaft ist der Druck enorm. Und Mourinhos Erfolgsbilanz in den letzten Jahren – Manchester United, Tottenham, Roma, Fenerbahce, Benfica – lässt keine romantischen Erwartungen zu. „Ziemlich sicher wird man unter Mourinho nicht den schönsten Fußball der Welt sehen“, so Eurosport Italia-Experte Simone Pace. Aber vielleicht ist genau das das, was Real Madrid jetzt braucht: einen Trainer, der die Drecksarbeit erledigt, den „Tatort Bernabéu“ säubert und den Weg für eine glorreiche Zukunft ebnet – auch wenn er selbst sie nicht mehr erlebt.

Denn so viel ist gewiss: Sollte Mourinho Disziplin und Zusammenhalt wiederherstellen, könnte sein Nachfolger am Ende die Früchte ernten – eine Mannschaft, die deutlich mehr dazu bereit ist, füreinander zu kämpfen, als die, die er vorfindet. Die ungeschlagene Liga-Saison in Portugal, auch wenn sie nur zu einem dritten Platz reichte, zeigt, dass Mourinho immer noch weiß, wie man eine Mannschaft formt. Eine Gefahr birgt die Zusammenarbeit dennoch: Seine Methoden haben an Wirkung verloren. Aber eines ist klar: Pérez will die Kontrolle zurückgewinnen und hat dafür den Dresseur schlechthin engagiert.