Mit 60 jahren trägt jörg wedde deutschlands fahne bei den paralympics

Sechzig Jahre alt, beide Beine verloren, zwanzig Jahre Pause von der paralympischen Bühne — und jetzt Fahnenträger. Die Geschichte von Jörg Wedde ist keine, die man sich ausdenken könnte. Bei den Paralympischen Winterspielen 2026 in Mailand und Cortina d'Ampezzo trägt der Para-Eishockeyspieler der Hannover Ice Lions gemeinsam mit Monoskifahrerin Anna-Lena Forster die deutsche Fahne. Der älteste Athlet im deutschen Team. Der Großvater auf dem Eis. Die lebende Legende einer Sportart, die die meisten kaum kennen.

Ein unfall, ein schlitten, mehr als zwei jahrzehnte durchhaltewillen

Ein unfall, ein schlitten, mehr als zwei jahrzehnte durchhaltewillen

Als Kind verlor Wedde bei einem Bahnunfall beide Beine. Was folgte, war kein gerader Weg in den Leistungssport — sondern eine jahrelange Suche nach einem passenden Angebot im Behindertensport. Erst mit 37 Jahren fand er Para-Eishockey. Seitdem hat er die Sportart mitgeprägt wie kaum ein anderer Deutscher. Beim Sledge-Eishockey bewegen sich die Spieler auf Kufen-Schlitten fort, halten in jeder Hand einen kurzen Schläger mit Spikes — fünf Spieler pro Team, Männer und Frauen gemeinsam, dreimal fünfzehn Minuten voller Körpereinsatz auf dem Eis.

Das letzte Mal stand er mit dem deutschen Team bei den Paralympics in Turin 2006 auf dieser Bühne. Damals wurden sie Vierter — eine Sensation. Dann folgten zwei Jahrzehnte ohne Qualifikation. Wedde blieb. Trainierte. Kämpfte. Und steht jetzt, mit drei Mannschaftskollegen von damals — Sven Stumpe, Sebastian Disveld und Frank Rennhack — erneut im Olympischen Dorf.

„Ich dachte erst, ich hätte etwas verbrochen