Milan währt sieben tage nach derby-sieg: die größten meister-remonten der serie a

Der AC Milan schrieb sich mit dem 2:1 im Derby wieder ins Titelrennen ein. Sieben Punkte Rückstand auf den Stadtrivalen Inter, zehn Spieltage noch – für manche ein Abstand, für Historiker eine Einladung. Die Serie A hat ihre Legenden nicht aus Versehen geboren, sondern in den letzten Kurven. Wer sie erlebt hat, weiß: Tabellen können lügen, bis der Schiri pfeift.

1967 – Sartis blackout im tiefbauschnee

Mantova, 30. Runde 1966/67. Inter-Goalie Fabio Sarti rutscht beim Rückpass aus, der Ball kullert ins eigene Tor. Die Nerazzurri verlieren 1:2, Juventus sichert sich am Ende den Titel mit einem Punkt Vorsprung. Bis heute nennen Bianconeri-Tifosi den 29. Mai 1967 „Giorno del regalo“.

1973 – Verona wird zum juve-grab

Die „Fatal Verona“ klingt wie ein Spaghetti-Western, ist aber pure Realität. Juve braucht am letzten Spieltag einen Punkt bei Hellas. Stattdessen kassiert Capello & Co. eine 2:5-Klatsche. Lazio profitiert und feiert den ersten Scudetto. Die Gialloblu? Feiert die Stadt drei Tage lang durch.

1976 – Il toro rettet sich auf der zielgeraden

Turin liegt Mitte März acht Punkte zurück, hat ein Spiel weniger. Dann siegt Juventus dreimal in Folge nur remis, während Boniperti und Pulici den Granata auf Tuchfühlung schießen. Am 13. Juni reicht ein 0:0 in Rom gegen Lazio – Torino holt den zweiten Titel nach 27 Jahren.

1988 – Sacchi verpasst napoli den galgen

Die Maradona-Truppe fährt auf der Autobahn Richtung Titel, nur Milan steht im Strassengraben. Dann dreht Arrigo Sacchi mit Van Basten, Gullit und Rijkaard auf: zehn Siege in den letzten elf Partien, 2:1 in Neapel am vorletzten Spieltag. Der Dreier landet im Netz, der Titel in der Mailänder Piazza.

1999 – Zaccheronis feuersturm

Elf Punkte fehlen dem AC Mailand am 22. Spieltag. Trainer Alberto Zaccheroni stellt auf Dreierkette um, Oliver Bierhoff erzielt neun Tore in Rückrunde. Letzter Gegner Perugia, letzter Biss: 2:1. Lazio muss zusehen, wie die Rossoneri an der letzten Kurve vorbeiziehen.

2000 – Perugias regen-drama

Lazio führt vor dem Finale zwei Punkte, spielt parallel zu Juve. Doch in Perugia fällt der Himmel herunter. Paolo Negro rutscht, Calori köpft im Matsch ein. Juve gewinnt in Udine, die Biancocelesti versinken im Sturm. Die Regentropfen schmecken nach Tränen – und nach dem zweiten Scudetto für Juventus innerhalb von zwei Jahren.

2002 – 5. Mai: ronaldos tränen und die verlorene seele

Inter braucht nur einen Sieg gegen Lazio. Ronaldo trifft, verletzt sich, weint. 2:4. In Bari sichert Trezeguet Juve den Titel mit einem Tor in der 93. Minute. Die Curva Nord zerbricht an diesem Tag – und die Legende vom „5 maggio“ wird zum Jahrestag der Nerazzurri-Schande.

Die Lehre: Wer vor der 30. Runde aufgibt, hat nie in Italien gekickt. Milan hat den Glauben zurück, Inter die Kalender gedreht. In zehn Spielen passiert genug, um ganze Karrieren umzuschreiben. Die Kurve ist scharf, das Gras rasiierkurz – und die Geschichte wartet nur darauf, dass wieder jemand ins Foto rutscht.