Milan sprintet zum hattrick, del toro krönt sich: tirreno-adriatico endet mit doppelschlag

San Benedetto del Tronto – Jonathan Milan hat sich selbst übertroffen. Zum dritten Mal in Serie donnerte der Italiener auf der Prachtpromenade von San Benedetto del Tronto zum Etappensieg, schaffte das, was im modernen Radsport fast unmöglich scheint: eine lückenlose Siegesserie beim Tirreno-Adriatico-Finale. 142 Kilometer nach Civitanova Marche ließ er Sam Welsford und Laurenz Rex stehen, doch der Triumph bekam einen Riss: Jasper Philipsen rutschte in letzter Kurve weg, Magnier konnte nicht mehr ausweichen – beide lagen am Boden, als Milan die Arme spreizte.

Del toro lässt konkurrenz keine chance

Hinter dem Spektakel stand eine Wahrheit, die seit sieben Tagen über der „Race between two seas“ schwebt: Isaac Del Toro ist nicht mehr aufzuhalten. Der Mexikaner aus der UAE-Armada fuhr nach seiner Tour-Dominanz in der Emirate erneurungslos nach Hause, ließ Giulio Pellizzari, den großen italienischen Hoffnungsträger, 55 Sekunden zurück. Rang drei erkämpfte Matteo Jorgenson, der US-Amerikaner, der in diesem Frühjahr endgültig den Sprung zur Weltspitze wagt. Tobias Johannessen und Primoz Roglic komplettierten ein Podest, das sich liest wie die Geburtsurkunde der nächsten Grand-Tour-Generation.

Die Zeiten, in denen das Tirreno nur ein lauwarmer Auftakt war, sind vorbei. Die Strecke dieses Jahr war ein Miniaturnetz aus Beton und Kopfsteinpflaster, das die Profilfahrer zwang, früh zu attackieren. Del Toro antwortete mit einer souveränen Mischung aus Ruhe und Rohkraft, die selbst Roglic am Monte Carpegna resignieren ließ. „Er fährt, als hätte er die Streckenkarte im Kopf“, sagte UAE-Sportchef Joxean Fernández lapidar.

Milan-show verliert an glanz

Milan-show verliert an glanz

Doch der Tag gehörte nicht nur dem Gesamtsieger. Milan feierte seinen dritten Schlussetappen-Coup in Serie – ein Kunststück, das zuletzt Mario Cipollini in den 90ern schaffte. Der 24-Jährige aus der Lidl-Trek-Formation profitierte diesmal von einem perfekt platzierten Lead-out, doch die Kollision hinter ihm nahm dem Triumph die Unbeschwertheit. Philipsen zog sich Schürfwunden zu, Magnier musste mit gebrochenem Rad über die Linie rollen. Die Jury ließ den Sprint aber gültig – Milan behielt Recht.

Die Szenerie passt ins Bild einer Saison, die sich rasant neu sortiert. Pogacar dominiert die Tour-Vorbereitung, Roglic sucht nach Antworten, und Del Toro hat bereits zwei WorldTour-Rundfahrten in der Tasche – bevor die Klassiker-Saison richtig loslegt. Für Deutschland bleibt die Bilanz bitter: kein einziger Fahrer unter den Top 20. „Wir reden hier von Sekundenbruchteilen, aber genau die fehlen“, sagte Bora-hansgrohe-Coach André Schulze knapp.

Am Ende zogen die Fans an der Lungomare ihre Handys hoch, um das Bild einzufangen, das niemand erwartet hatte: Milan mit erhobenem Arm, Del Toro mit dem blau-weißen Trikot, dahinter ein Meer aus Jubel und einem Hauch Schrecken. Die 61. Tirreno-Adriatici ist Geschichte – und die nächste Runde steht schon vor der Tür. In Mailand wartet das erste Monument, und wer jetzt denkt, die Saison sei noch jung, der irrt: Die Form, die hier gezeigt wurde, wird im April über Leben und Tod entscheiden.