Miami räumt das deutsche feld: zverev bleibt als letzter recke übrig

Miami schlägt zurück. Am Donnerstag verwandelte sich der sonnige Hardcourt in ein deutsches Tennis-Grab: Sieben Starts, sieben K.o.'s – nur Alexander Zverev darf noch vom Strand träumen, weil er als einziger ein Freilos kassierte.

Siegemund und seidel quälen sich, dann fallen sie doch

Laura Siegemund servierte 3:20 Stunden lang gegen die 19-jährige Filipina Alexandra Eala, bog eine 0:3-Defizit im Champions-Tiebreak um, schaffte sogar Satzball – und verlor trotzdem 7:6 (8), 3:6, 3:6. Die 38-Jährige kniete sich nach dem letzten Winner die Asche aus den Händen, als hätte sie das Match schon gewonnen. Dabei war es nur die Erkenntnis, dass Ealas Vorhand länger ist als ihre Karriereuhr tickt.

Eine Stunde später folgte Ella Seidel. Die 19-jährige Lucky Loserin aus Stuttgart schmetterte sich gegen Lilli Tagger aus Tirol durch einen Tiebreak mit 10:8, vergab im dritten Satz bei 5:4 einen Matchball und kassierte danach das Break zum 5:7. Die Zahl 77 tauchte wieder auf – diesmal als Minuten, die Seidel brauchte, um sich in der Mixed Zone die Tränen zu verdrücken. Österreich feiert sein Next-Gen-Duo: Tagger und Styria-Export Dominic Thiem plantschen im selben Hotelpool.

Lys

Lys' comeback bleibt ein kraftakt ohne ende

Zwei Monate Pause wegen eines Knorpelschadens, und dann gleich Miami? Eva Lys schlug die Frage mit 1:6, 4:6 gegen die ukrainische Qualifikantin Julia Starodubtseva – und verriss dabei mehr Bälle als sie an Tagen zuvor überhaupt geschlagen hat. Die 24-Jährige trug ein zusätzliches Bandage-Taping, das aussah, als würde ihr linkes Knie in Alufolie gepackt. Die Wucht fehlte, der Aufschlag schoss im Schnitt 18 km/h langsamer als im Januar. Ein physiotherapeutischer Notruf, kein Match.

Jüngste schmeißt älteste raus – und umgekehrt

Jüngste schmeißt älteste raus – und umgekehrt

Tatjana Maria, 38, traf auf Hailey Baptiste, 24. Altersunterschied: 14 Jahre. Ergebnis: 5:7, 2:6. Baptiste schaffte in 78 Minuten, was Maria in ihrer Karriere 677 Mal verhinderte – den Zeitlupen-K.o. Die US-Amerikanin flog danach direkt zur Geschwindigkeitsmessung der WTA, weil ihre Vorhand laut TrackMan häufiger über 130 km/h schoss als der Aufschlag mancher Kolleginnen.

Qualifikanten-drama bei den männern

Yannick Hanfmann quälte sich durch drei Quali-Runden, um sich dann von 19-jährigem Rafael Jodar mit 4:6, 6:4, 1:6 abfertigen zu lassen. Der Spanier feierte seinen ersten ATP-Hauptfeld-Sieg mit einer Racket-Wurf-Parabel, die fast die Kamera des ATP-Host-Broadcast traf. Hanfmann dagegen schleppte sich mit 34 Jahren in die nächste Saison – und fragt sich vermutlich, wann die eigene Wild-Card kommt.

Jan-Lennard Struff, 35, wiederholte das Mantra „Erfahrung zählt“ gegen 18-jährigen Darwin Blanch – und verlor trotzdem 3:6, 6:3, 3:6. Der US-Boy schlug fünf aces, Struff keinen. Statistik, die wehtut: Erstmals seit 2019 verpasst der Warsteiner in Miami die Runde zwei. Blanchs Eltern filmen mit dem Handy, während Struff noch auf dem Court steht – als wäre er Teil eines TikTok-Videos mit dem Titel „Wie man einen Top-50-Spieler alt aussehen lässt“.

Zverev steht allein – und das merkt ihm miami an

Die Turnierleitung rechnet bereits mit Zverev als letztem deutschen Magneten. Sein Freilos katapultiert ihn direkt ins Achtelfinister, wo er auf den ebenfalls freilos-geschonten Martin Damm trifft – einen 21-jährigen US-College-Abgänger, der nur deshalb durch ist, weil Jacob Fearnley aufgab. Wenn Zverev fällt, ist deutsch Miami gelaufen. Die App des Turniers listet bereits „Zverev Watch“ als Push-Kategorie – mehr deutsche Story gibt es nicht mehr.

Die Bilanz: 0:7 an deutschen Niederlagen, eine Nation, die einmal als Tennis-Macht galt, schwimmt jetzt auf Rang sieben der Weltranglisten-Fahnen. Miami schickt kein Signal, sondern einen Weckruf: Ohne Nachwuchs, der trifft, bleibt nur Sand in den Augen – und der weht hier auf Hartplatz gnadenlos ins Gesicht.