Merz' wm-fail: war es ein tweet-desaster oder doch nur ein pannen-feuerwerk?
Berlin – Der Aufschrei war groß, die Häme ungeniert: Friedrich Merz, Kanzlerkandidat und scheinbar auch Social-Media-Nutzer, sorgte nach dem deutschen Aus bei der Weltmeisterschaft für kollektiven Entsetzen. Sein vermeintlich aufmunternder Tweet, der dem DFB-Team zwar Anerkennung zusprach, aber den bitteren Geschmack der Niederlage nur noch verstärkte, ging viral – und zwar aus den falschen Gründen.

Ein peinlicher tweet, ein noch peinlicheres statement
Merz' Worte – „Auch wenn das Ausscheiden schmerzt: Was für ein Spiel! Mit eurem Einsatz und Teamgeist bei dieser WM habt ihr unser Land begeistert. Wir sind stolz auf euch“ – wirkten angesichts des desolaten Auftritts der deutschen Mannschaft grotesk fehl am Platz. Die Netzgemeinde sparte nicht mit Kritik, fragte lautstark, ob der Kanzler überhaupt das gleiche Spiel gesehen habe oder ob ihn überhaupt jemand bei seiner Social-Media-Arbeit berate. Die Kritik beschränkte sich nicht nur auf den Inhalt, sondern erntete auch den Vorwurf, die Wirkung seines Statements würde seinem bisherigen politischen Wirken ähneln – wenig einfühlsam und distanziert.
Doch nun legt der Pressedienst der Bundesregierung eine überraschende Erklärung vor: Der Tweet sei ein Versehen gewesen, ein „Abstimmungsfehler“ in der Social-Media-Redaktion des Kanzlers. „Falscher Tweet, falscher Zeitpunkt, falscher Knopf“, so die offizielle Version, die von Regierungskreisen an den Tagesspiegel durchsickert. Es scheint, als ob jemand im Getümmel der WM-Nachrichten den falschen Button gedrückt hätte.
Die Hinterkulisse: Vorbereitete Tweets für alle Fälle Laut Informationen des Tagesspiegels hatte die Redaktion des Kanzlers bereits vor dem entscheidenden Spiel gegen Paraguay verschiedene Textentwürfe für unterschiedliche Szenarien vorbereitet. Offenbar landete der optimistische Tweet für einen möglichen Sieg im falschen Moment im Netz. Das Timing konnte kaum ungünstiger sein, denn der DFB hatte alles andere als eine überzeugende Leistung gezeigt.
Die Reaktion der Öffentlichkeit ließ nicht lange auf sich warten. Nachdem der erste Fehltritt begangen war, musste offenbar ein zweiter folgen, um den Imageschaden zu begrenzen. Ein neues Statement, das versuchte, die Situation zu retten, lautete: „Erfolge feiern wir gemeinsam. Und in der Niederlage stehen wir zusammen. Das macht uns stark. Wer den Adler auf der Brust trägt, hat unseren Rückhalt verdient und nicht unseren Spott.“
Die Affäre zeigt auf jeden Fall, dass auch Kanzler nicht immun gegen die Tücken der sozialen Medien sind und dass ein unbedachter Tweet schnell zu einem PR-Desaster werden kann. Die Frage, wer in Zukunft die Zügel bei Merz' Social-Media-Aktivitäten in die Hand nimmt, bleibt jedoch offen.
