Memmingens frauen sieben sich den titel – rekord rückt in reichweite
2679 Menschen im Hühnerberg, drei Schüsse ins leere Berliner Tor – und ein Meister-T-Shirt, das schon nach 60 Minuten zerfetzt war. Der ECDC Memmingen hat am Freitagabend mit einem 4:2 gegen die Eisbären Berlin nicht nur die Play-off-Serie 3:0 sauber gemacht, sondern auch die siebte Deutsche Meisterschaft der Klubgeschichte eingefahren. Nur noch ein Titel fehlt, um die ESG Planegg als Rekordchampion abzulöschen.
Daria gleißner führt, theresa knutson erledigt den rest
Die Kapitänin stand wie immer in der Defensive, aber die Tore erzielten andere. Nara Elia brachte die Hausherren früh in Führung, Berlin glich aus, doch dann übernahm Theresa Knutson das Kommando. Ihr Doppelschlag in der 36. und 54. Minute biss sich fest. Jule Schiefer legte in der 40. Minute nach, und die Halle explodierte bereits vor dem Schlusspfiff.
Die Zahlen sprechen eine eigene Sprache: 13:3 Tore in drei Finalspielen, eine Serie, die keine Antwort zuließ. Memmingen hat in den letzten zehn Jahren neun Finalteilnahmen gesammelt, sieben Mal ging der Pokel nach Oberbayern. Die Berlinerinnen, 2023 noch selbst Meister, wirkten in dieser Serie wie ein Aufsteiger, der plötzlich gegen die Champions League spielen muss.

Die liga schrumpft, memmingen wächst
Die DFEL besteht nur noch aus vier deutschen Klubs und HK Budapest. Während andere Vereine Frauen-Abteilungen streichen oder in Regionalligen abtauchen, hat Memmingen ein Konzept, das sich auszahlt. Drei Nationalspielerinnen kamen aus der eigenen Jugend, zwei weitere aus dem Nachwuchszentrum in Füssen. Der Etat liegt laut Klubangaben bei unter 400 000 Euro – ein Zehntel dessen, was manche DEL-Mannschaften für einen Stürmer ausgeben.
Die Delegation aus Planegg, früher selbst dominierend, war nicht in der Halle. Die ESG zog sich 2024 zurück, weil „die sportliche Perspektive fehlte“, wie es in einem internen Papier hieß. Was damals wie ein Rückzug klang, wirkt heute wie ein Vorsprung: Memmingen ist jetzt der Maßstab, an dem sich alle messen müssen.
Beim Sektempfang neben dem Eingang sprach Managerin Sandra Strobl von „einer Ära, die noch lange nicht endet“. Die Spielerinnen trugen bereits neue Trainingsjacken mit der Aufschrift „8“ – als leiser Verweis auf das nächste Ziel. Die Saison ist vorbei, der Countdown läuft schon.
