Melsungen triumphiert: jubel und ein unterschlagener held?

Nordhessen bebt! Die MT Melsungen hat Geschichte geschrieben und den ersten Titel in der Vereinsgeschichte der Daikin Handball-Bundesliga gefeiert. Ein Triumph in der European League besiegelt nicht nur den Erfolg, sondern eröffnet auch die Tür zur Champions League – ein Novum für den Verein. Doch während die Fans jubeln und die Stadt im Handballfieber steckt, gibt es einen Aspekt, der im glänzenden Schein des Erfolgs fast im Verborgenen blieb.

Ein vergessener architekt des erfolgs

Ein vergessener architekt des erfolgs

Die jüngste Folge des Vodcasts „Kretzsche&Schmiso“ mit Handball-Legende Stefan Kretzschmar und Florian Schmidt-Sommerfeld widmete sich dem fulminanten Wochenende der MT. Und während die Lobeshymnen auf das Team und das Trainerteam einstimmten, brachte Kretzschmar ein Detail zur Sprache, das viele überraschte: die Rolle des ehemaligen Sportvorstands Michael Allendorf.

Allendorf, der im Oktober 2025 plötzlich freigestellt und seit Februar 2026 als Sport-Geschäftsführer bei der HSG Wetzlar tätig ist, war maßgeblich am Aufbau des aktuellen Kaders beteiligt. Er holte viele der Spieler, die nun den Titel feiern. Kretzschmar fand deutliche Worte: „Ich finde schon, dass man sich da keinen Zacken aus der Krone gebrochen hätte, wenn man bei Michael Allendorf seinen Dank ausgesprochen hätte. Er ist ja auch einer der Mitarchitekten dieses Erfolgs.“ Eine Ansage, die die Frage aufwirft, warum ein so wichtiger Baustein des Erfolgs im Jubelrausch in Vergessenheit geriet.

Der Ex-Profi verfolgte den Finalsieg gegen den THW Kiel sogar live in der Hamburger Arena und saß dort unter den Melsunger Fans. Allendorf selbst äußerte sich gegenüber Sport BILD bescheiden: „Ich habe mich für die tolle Mannschaft und den verdienten Erfolg sehr gefreut.“ Ein Satz, der die professionelle Distanz zu seinem ehemaligen Arbeitgeber unterstreicht, aber auch die Freude an der sportlichen Leistung.

Während die MT Melsungen sich nun auf die nächste Herausforderung vorbereitet – am Donnerstag geht es gegen die Füchse Berlin – muss Michael Allendorf bereits wieder in die Bresche springen. Seine HSG Wetzlar trifft ab 19 Uhr (live bei Dyn) auf den HSV Hamburg. Ein weiteres Kapitel im Handball-Kalender, das zeigt, wie schnell sich die Dinge ändern können – und wie wichtig es ist, diejenigen zu würdigen, die im Stillen den Grundstein für den Erfolg legen.