Medwedjew hockt in dubai fest – kriegslage wirbelt indian-wells-plan durcheinander

Die Raketen schlugen ein, die Startbahn blieb dunkel. Daniil Medwedjew, seit Samstag Champion von Dubai, sollte eigentlich Richtung Indian Wells abheben. Stattdessen sitzt der Russe mit Koffer und Schläger im Hotel fest, denn die Luftüber den Vereinigten Arabischen Emiraten ist nach den US-Angriffen auf den Iran und Teherans Vergeltung gesperrt.

Medwedjew sagt: „ungewöhnliche situation“ – doch das ist untertreibung

„Der Luftraum ist dicht, niemand kann sagen, wann sich das ändert“, zitierte ihn die russische Agentur Tass. Seine Familie schickt Nachrichten voller Fragezeichen, Sponsoren drängen auf Infos. Der 28-Jährige versucht, gelassen zu wirken: „Mir geht es gut, aber ich schaue alle zwei Stunden aufs Handy, ob sich die Flugroute öffnet.“

Die Emirates wollten eigentlich die sichere Drehscheibe zwischen Europa und Kalifornien sein. Nach den Explosionen von gestern Nacht – auch in Dubai selbst erschütterten Detonationen die Skyline – gelten Flughafengebäude nur noch als Notlager. Towerpersonal wurde in Bereitschaftsdienst heruntergefahren, Flugzeuge stehen in Reih und Glied auf den Vorfeldern wie Spielzeug.

Die Zeit arbeitet gegen den Weltranglistenersten. Indian Wells startet am Mittwoch, Medwedjew ist als Top-favorit für das Masters-1000-Event gemeldet. Die Turnierleitung teilte mit, man „überwache die Lage stündlich“. Ersatztermine gibt es nicht – wer verspätet kommt, verliert Startgeld und Punkte.

Interne Daten der ATP zeigen: In den letzten zehn Jahren verpassten nur zwei Top-Ten-Spieler wegen Flugproblemen ein Großevent. Beide fielen anschließend aus den Top 20. Die Statistik ist sein zweiter Gegner.

Was niemand berechnet: die psychologische belastung

Was niemand berechnet: die psychologische belastung

Während Fans auf Twitter nach Alternativen fragen – Charterboot über den Persischen Golf? Zug nach Riad? – arbeitet Medwedjews Fitnessteam an einem improvisierten Trainingsplan. Hotelflure werden zu Sprintstrecken, Matten zu Tenniscourts. „Wenn der Körper drei Tage nicht richtig schlägt, braucht man zwei Wochen, um wieder auf ATP-Niveau zu kommen“, sagt Coach Gilles Cervara per Telefon.

Und dann die Frage, die niemand laut stellt: Wenn die Raketen wieder fliegen, fliegen auch die Passagiermaschinen? Oder bleibt der Himmel über dem Nahen Osten dicht bis nach Indian Wells?

Die nächsten 48 Stunden entscheiden, ob Medwedjew in Kalifornien aufschlägt oder in Dubai strandet. Die Sportwelt spielt zwar weiter, aber sie spielt ohne einen ihrer größten Stars – und das ist ein Verlust, den kein Ranking jemals voll auffängt.