Mcgrath springt in kranjska gora auf – nach olympia-debakel mit snow-angst

Atle Lie McGrath will den Scherbenhaufen von Peking wegpusten. Nach dem Slalom-Crash unter den fünf Ringen rudert der Norweger mit 48 Stunden Abstand in die slowenische Hölle zurück – und hat dabei seinen Großvater im Gepäck.

Der zweite lauf, der alles zerstörte

Führung nach Lauf eins. Dann das Aus: Haken, Sturz, Selbstgespräch im Schnee. McGrath stampfte davon, ließ sich in die kristalline Decke fallen, als könne das Eis die Tränen stoppen. Der 25-Jährige hatte sich den Olympiasieg für seinen Großvater gewünscht, der nur Tage vor dem Rennen starb. Stattdessen wurde das Bild zum Symbol für verpasste norwegische Träume.

Was danach folgte, klingt nach klassischer Sportler-Script-Psychologie: ein paar Tage mit „den Jungs“, weg vom Kurs, rein ins echte Leben. McGrath postet ein Foto, on which er lacht – und plötzlich glaubt wieder jeder an den nächsten Slalom. Die Wahrheit ist kälter: Technikläufer haben keine Zeit für Therapie, sie haben Termine.

Kranjska gora als schmerztest

Kranjska gora als schmerztest

Die Podkoren-Piste gilt als Strecke, die Lügen bestraft. Wer hier auftritt, muss die Kurve kriegen – sonst fliegt er in die Netze. Für McGrath ist das Wochenende ein offener Revancheversuch: Riesenslalom am Samstag, Slalom am Sonntag. Zwei Chancen, das Olympia-Video zu überschreiben. Die Startliste ist kein Freundschaftsspiel: Lucas Braathen und Henrik Kristoffersen liefern sich einen internen Machtkampf, Marco Schwarz will nach seiner Silber-Rotation endlich Gold.

McGrath hat die Saison trotz Peking noch nicht verloren. Er liegt in der Slalom-Wertung auf Rang vier – 92 Punkte hinter Ramon Zenhäusern. Theoretisch kann er noch Weltcup-Sieger werden. Praktisch braucht er einen Sieg und ein Wunder. Die Mathematik ist gnadenlos, aber die Piste ist kurz.

Die Uhr tickt auch für die Mentoren. Skifahrer erzählen gern, dass man nach einem spektakulären Crash zwei Varianten hat: entweder man fliegt wieder sofort, oder man wartet – und verliert den Mut für immer. McGrath hat sich für Variante eins entschieden. Wenn er am Samstag in die Startbox steigt, wird er keine Zeit für Gedanken haben. Dann zählt nur noch der Rhythmus der Stangen. Und vielleicht der Blick gen Himmel, wo Großvater sitzt.

Die Slowenen erwarten 25.000 Zuschauer, die laut FIS-Organisation binnen Minuten ausverkauft sind. Sie wollen Spektakel, keine Tragödie. McGrath will beides liefern: den Kampf und den Sieg. Sonst bleibt ihm nur der Schnee – und der schmilzt schneller als Olympia-Bilder.