Mcgrath rächt olympia-crash mit 0,01-sieg – straßer trifft die latte

Atle Lie McGrath hat in Kranjska Gora das Unmögliche geschafft: Er jagt sich selbst, die Uhr und seinen eigenen Schatten, der ihn in Peking in den Schneewald geschickt hatte. Mit 0,01 Sekunden Vorsprung vor Henrik Kristoffersen und 0,04 Sekunden vor Lucas Pinheiro Braathen raubt er dem Slalom-Crystal den letzten Atemzug vor dem Finale. Linus Straßer? Fünfter, 0,09 Sekunden hinter dem Glück, 0,08 Sekunden hinter dem Podest. Die Zahlen klingen nach Lotto, sind aber pure Skirechnung.

Die zehntel-trickkiste: warum straßer diesmal nur zuschaut

Straßer fuhr zwei Runs lang auf Messers Schneide, aber die Kante war an diesem Sonntag reserviert für Norweger. Beim Tor 56 riss seine Linie eine Mikrosekunde zu spät, das Ski-Tip kratzte statt zu greifen. „Ich habe das Podest gesehen, es hat mich angelächelt und sich dann umgedreht“, sagt er mit dem trockenen Humor, den nur Bayerisch-Schwaben beherrschen. Sein einziger Podestplatz dieser Saison bleibt Kitzbühel – ein Erinnerungsfoto, keine Trendwende.

McGrath dagegen spielt mit dem Pendel: Olympia-Finale, Sturz, Wald, Tampons in der Hand – und jetzt der Hundertstel-Hahnenschrei. Die 41 Punkte Vorsprung auf Pinheiro Braathen vor dem letzten Slalom in Kvitfjell bedeuten nichts. Der Brasilianer holte in Kranjska Gora den dritten Platz, weil er im Ziel nochmal zehn Zentimeter tiefer ins Rot geduckt wurde. Drei Zehntel fehlen ihm im Kampf um die kleine Kugel, drei Zehntel sind im Slalom ein Universum.

Odermatts schachbrett: crystal so sicher wie ein hausfundament

Odermatts schachbrett: crystal so sicher wie ein hausfundament

Während vorne die Nerven glühen, schmilzt Marco Odermatts Vorsprung im Gesamtweltcup nur in Excel-Tabellen. 1.530 Punkte stehen gegen 958. Selbst wenn Pinheiro Braathen in Courchevel Doppel-Maximalpunkt holt und Odermatt sich verkantet, bleibt der Schweizer noch 172 Zähler vor dem Brasilianer. Das ist keis Wettbewerb, das ist Gähnen auf 2.000 Höhenmetern.

Kvitfjell wird zum Schaulaufen für Kristoffersen, der in Schladming bereits gewann, aber sonst nur knapp war. Seine Sammlung an Vizetiteln wächst – 0,01 Sekunden sind seine neue Marke. Für Straßer bleibt die Erkenntnis: Ein Slalom ist ein Roulette-Rad, das sich in 0,08 Sekunden dreht. Er fliegt nach Hause, packt die Ski ein und weiß: Die Saison ist nicht vorbei, sie wartet nur auf die nächste Zehntelsekunde.