Mcenroe: vom „rotzlöffel“ zum humorvollen tennis-gentleman
Wiesbaden, 16. Februar 2026 – John McEnroe, die Tennisweltikone, feiert heute seinen 67. Geburtstag. Ein Datum, das an eine Karriere voller spektakulärer Erfolge, aber auch explosiver Ausbrüche erinnert. Doch der einst gefürchtete „Rotzlöffel“ hat sich gewandelt – und das zum Glück für seine Fans.
Die jahre nagen – aber der humor triumphiert
„Das Alter“, so McEnroe selbst, sei „eine Bitch“ – eine unbezwingbare Gegnerin, gegen die selbst „Big Bad John“ ankämpfen müsse. Doch anstatt sich von den Geburtsjahren entmutigen zu lassen, hat sich der US-Amerikaner dem Humor verschrieben. Er unterhält sein Publikum nun fast so gekonnt, wie er einst mit Wut und Temperament die Platzrichter zur Weißglut trieb.
Die Zeiten seiner legendären Zuspitzungen liegen zwar schon einige Jahre zurück, doch McEnroe hat die Tennisbühne keineswegs verlassen. Er reist als Berater, TV-Experte und charmanter Unterhalter um die Welt, und das mit einer Erfahrung, die sowohl sportliche Triumphe als auch private Dramen umfasst.

„You cannot be serious“: der rebell mit dem feinen spiel
Schon als Spieler war McEnroe ein Sonderling, ein Mann, der sich nicht verbiegen ließ. Sein ikonischer Ausruf „You cannot be serious“ – „Das kann nicht dein Ernst sein“ – hallte über die Tennisplätze wider, wenn er sich ungerecht behandelt fühlte. Schiedsrichter, Schläger, Netzpfosten, Eistruhen, Stühle und sogar Blumenkästen wurden im Laufe seiner Karriere von seinem Zorn heimgesucht. 1990 wurde er bei den Australian Open disqualifiziert, nachdem er den Turnier-Referee verbal attackiert hatte.
Aber hinter der ungestümen Fassade verbarg sich ein Genie des Tennis. Sein Volley, sein intuitives Gespür für den Ball, war schlichtweg unerreicht. Vier Mal triumphierte er bei den US Open, dreimal in Wimbledon. 170 Wochen lang thronte er an der Spitze der Weltrangliste – doch mehr als die Erfolge selbst sind es die packenden Duelle, die im Gedächtnis bleiben.

Mcenroe vs. borg: die schlacht von 1816
Legendär sind die Wimbledon-Duelle mit Björn Borg, insbesondere der vierte Satz im Finale von 1980, der als „Battle of 1816“ in die Tennisgeschichte einging. Der epische Tiebreak mit 18:16, bevor Borg mit 8:6 den fünften und letzten Wimbledon-Titel gewann, ist bis heute unvergessen. Auch die Kämpfe gegen Jimmy Connors und Ivan Lendl lieferten spektakuläre Final-Fights, wie auch die „Jahrhundert-Schlacht“ im Davis Cup 1987 in Hartford, in der McEnroes Genialität dem ungezügelten Spiel von Boris Becker unterlag.
Selbst im letzten Jahr seiner Karriere, 1992, zeigte McEnroe noch einmal, was in ihm steckt, erreichte das Halbfinale in Wimbledon und sicherte sich dort seinen neunten Major-Titel im Doppel – an der Seite seines ehemaligen Rivalen Michael Stich.

Ein leben voller höhen und tiefen
Das Leben von „Big Mac“ war nicht nur von sportlichen Triumphen geprägt. Seine turbulente Ehe mit der Hollywood-Schauspielerin Tatum O’Neal, inklusive eines bitteren Rosenkriegs, und das Sorgerecht für seine Kinder, waren schmerzhafte Erfahrungen. Doch die Liebe zum Tennis und seine zweite Ehefrau, Sängerin Patty Smyth, gaben ihm Halt.
Mit 47 Jahren feierte McEnroe ein überraschendes Comeback und gewann prompt den Doppeltitel in San Jose. Bis heute begeistert er die Fans auf der Seniorentour, die von seinen gespielten Wutanfällen ebenso amüsiert sind, wie von seinem taktischen Scharfsinn. John McEnroe mag sich verändert haben, aber als der ultimative „Flegel“ der Tennistour bleibt er unvergessen – ein Mann, dessen Leidenschaft und Individualität den Sport nachhaltig geprägt haben.
