Mbappé-debatte eskaliert: ist der superstar wirklich so unbeliebt?
Die Stimmung in Frankreich kocht: Vor dem WM-Start der Équipe Tricolore fordert ein immer lauter werdendes Echo, Kylian Mbappé vom Sockel zu stoßen. Eine Forderung, die selbst eingefleischte Fußballfans verblüfft. Was steckt hinter dieser Welle der Kritik gegen den französischen Superstar?
Die wurzeln der unzufriedenheit: mehr als nur vergebene chancen
Martin Mosnier von Eurosport Frankreich beleuchtet die Ursachen dieser ungewöhnlichen Situation. Es ist nicht allein Mbappés vermeintliche Egozentrik oder die vergebenen Chancen gegen Nordirland, die die Kritik befeuern. Vielmehr hat sich eine Abneigung aufgebaut, die ihren Ursprung in der enttäuschenden Saison von Paris Saint-Germain und den turbulenten Verhältnissen bei Real Madrid hat, wohin Mbappé ausgeliehen war. Die Leistungen dort, gepaart mit öffentlich ausgetragenen Differenzen mit seinem Trainer Álvaro Arbeloa, haben die negativen Schlagzeilen genährt.
Die Ausbuhen im Stadion – zunächst nur von einer kleinen Minderheit, doch zunehmend lauter – sind ein deutliches Zeichen der Unzufriedenheit. Auch in den sozialen Medien schiefern Fans Mbappé, mal als unkontrollierbaren Egomanen, mal als Spieler, der bewusst aus der Startelf gedrängt werden sollte. Die Spannungen sind spürbar, weniger als eine Woche vor dem entscheidenden Gruppenspiel gegen Senegal.

Deschamps verteidigt seine entscheidung – olise als neue hoffnung?
Trainer Didier Deschamps musste sich in den letzten Tagen vehement gegen die Kritik verteidigen und seine Entscheidung, Mbappé im Zentrum des Angriffs zu positionieren, rechtfertigen. Er betonte, dass Michael Olise derzeit vor einer Formkrise stehe, und strahle vor Selbstvertrauen. Die Diskussion um die optimale Aufstellung für Frankreich ist in vollem Gange.
Die Frage, ob Dembélé oder Mbappé die Sturmspitze bilden sollen, beschäftigt die Fachwelt. Jean-Michel Larqué fragte sich rhetorisch, ob es wirklich verboten sei, eine Mannschaft mit Olise auf rechts, Dembélé im Zentrum und Mbappé links aufzustellen – eine taktische Lösung, die viele Experten als vielversprechend erachten. Doch die durchschnittlichen Leistungen Mbappés in den Vorbereitungsspielen haben diese Debatte nur weiter angeheizt.

Wenger: mbappé ist ein sündenbock
Arsène Wenger, einst selbst ein gefeierter Trainer, sieht in der Kritik an Mbappé einen klassischen Fall des Sündenbocks. “Er wurde diese Saison oft zu Unrecht kritisiert”, erklärte er. “Er spielt in einer, für Real-Verhältnisse, durchschnittlichen Mannschaft. Madrid hat vielleicht drei oder vier Weltklassespieler. Früher gab es zehn.” Die Statistiken sprechen ebenfalls für Mbappé: Mit 42 Toren in dieser Saison wird er nur von Harry Kanes außergewöhnlicher Leistung übertroffen. Und in der französischen Nationalmannschaft hat er eine beeindruckende Bilanz vorzuweisen.
Die Wahrheit ist: Mbappé hat in Frankreich nichts mehr zu beweisen. Mit 56 Toren ist er Rekordtorschütze der Équipe Tricolore und könnte in den USA den ewigen WM-Torrekord von Miroslav Klose knacken. Es ist an der Zeit, die überzogene Kritik zu hinterfragen und den Spieler zu unterstützen, der Frankreichs größte Hoffnung im WM-Titelrennen ist. Denn eines ist gewiss: Die Welt erwartet von Kylian Mbappé, dass er die Bühne der WM 2026 erobert – und nicht, dass er sich mit unbegründeten Vorwürfen auseinandersetzen muss.
