Mayu ishikawa ballt sich zum aufschlag: japans star trainiert mit luftballon – und das ist kein gag
Als Mayu Ishikawa vor dem ersten Semifinale der Serie A1 in Novara auf dem Hallenboden kauerte, einen Luftballon zwischen Lippen und Knien klemmte und langsam ein- und ausatmete, dachten einige Fans: Spaßvogel. Dabei bereitete sich die 23-jährige Außenangreiferin auf den wichtlichen Matchball vor – und lieferte dem italienischen Fitnesszirkus ein Lehrstück über moderne Kerntraining.

Warum ein luftballon plötzlich zum wichtigsten trainingsgerät wird
Der Clip ging viral, weil er so unscheinbar wirkt. Doch hinter der Szene steckt ein Konzept, das Spitzenklubs wie Igor Gorgonzola seit drei Jahren ins Warm-up integrieren: Positive Expiratory Pressure – abgekürzt PEP. Der Ballon erzeugt einen leichten Gegenwiderstand beim Ausatmen, der Zwerchfell muss gegen Druck arbeiten. Gleichzeitig presst Ishikawa die Adduktoren auf die Hüfte, der Beckenboden spannt sich, die tiefe Bauchmuskulatur aktiviert. Dreißig Sekunden, zehn Wiederholungen – und das neuronale System ist auf „Sprung“ programmiert.
Studien des Deutschen Sportbundes und der Universität Bologna zeigen: Spielerinnen, die vor dem Match ein PEP-Set absolvieren, landen durchschnittlich 1,8 cm höher im Block- und Angriffssprung. Das klingt nach wenig, reicht aber, um eine pipe-Attacke zwei Millisekunden früher zu erreichen – in der Serie A1 entscheidet das Satzball-Niveau.
„Wir haben den Zwerchfellmuskel lange unterschätzt“, sagt Dr. Lucia Moretti, Leistungsphysiologin der italienischen Volleyball-Föderation. „Er verbindet Atmung, Haltung und Kraftentfaltung. Wer ihn gezielt einsetzt, spart Energie und schützt die Lendenwirbelsäule vor den 40.000 Belastungsimpulsen, die eine Außenangreiferin pro Saison einsteckt.“
Der Luftballon ist deshalb nur der sichtbare Teil eines Programms, das sich hinter verschlossenen Hallentüren abspielt. Nach dem PEP-Block folgen Hook-Lying-Kniehebel, dann Aktivierung der hinteren Schrägmuskulatur, schließlich Schnellkraft mit elastischen Bändern. Ishikawa absolviert die Sequenz 45 Minuten vor Anpfiff, immer in derselben Reihenfolge. Ritual statt Zufall.
Die Japanerin lieferte gleich im Anschluss die Statistik ab: 19 Punkte, 52 % Angriffsquote, null Aufschlagfehler. Ihr Trainer Stefano Micelli lächelt nur, wenn man ihn auf den Ballon anspricht: „Mayu nennt ihn ‚Onigiri‘, weil er aussieht wie ein Reisbällchen. Aber es ist kein Spielzeug, sondern unser stiller sechster Mann.“
Nächstes Mal, wenn eine Spielerin auf dem Feld kniet und wie ein Kind pustet, lohnt ein zweiter Blick. Dahinter steckt keine Show, sondern die Erkenntnis, dass moderne Sportwissenschaft manchmal aus einem Stück Gummi und etwas Atemluft die entscheidenden Hundertstel zaubert. Ishikawa weiß das – und springt deshalb ein paar Zentimeter höher als der Rest der Welt.
