Mattia guaglianone: der 16-jährige römer, der mit tottis nummer spielt und wie totti träumt
Trigoria, 7 Uhr morgens. Auf dem Trainingsrasen kreist der Ball, zehn Meter vor dem Strafraum. Der Junge mit der Kapuze zieht die rechte Spannung zurück – und jagt die Kugel in den linken Winkel. Kein Torwart, keine Chance. Die Stimme von José Mourinho war gestern, die von Francesco Totti ist heute. Mattia Guaglianone, 15 Jahre alt, trägt beim AS Roma Primavera die 10. Und man beginnt, die Initialen FT nur noch in Flüstern zu erwähnen.
Der vergleich mit dem capitano ist kein pr-gag mehr
2023, Torneo Manlio Selis, Finale. Guaglianone tritt an, schlenzt zwei Freistöße ins Netz, klatscht ab, grinst. Die Gazzetta titelt am nächsten Tag: „Il nuovo Totti“. Die Überschrift war ein Spaß. Heute ist sie ein Beweis. Seit dem Turnier hat der Mittelstürmer 47 Jugendspiele absolviert, 38 Tore erzielt, 21 Vorlagen gegeben. Die Zahlen sind keine Projektion, sondern Excel-Tabelle.
Was die Statistik nicht erfasst: die Drehung aus dem Stand, die 0,3 Sekunden, in denen er den Gegner ausknipst, bevor der Schritt kommt. Oder das Tempo im Kopf. „Er sieht Lücken, bevor sie entstehen“, sagt Primavera-Trainer Alberto De Rossi. Kein Satz mit „vielleicht“. Kein „könnte“. Ein Satz mit Gewissheit.

Im frühjahr 2024 wird er 16 – und darf unterschreiben
Italiens Verband erlaubt Profiverträge ab 16. Die Klubbosse warten mit einem Drei-Jahres-Papier, das ihn auf 800.000 Euro Jahresgehalt hebt. Die Ablöseklage wäre bei 50 Millionen fixiert. Kein Spieler der Roma-Akademie hatte je eine solche Klausel vor dem 18. Geburtstag. Die Signale sind eindeutig: Man will ihn nicht verkaufen, man will ihn versiegeln.
Intern vergleicht man ihn nicht mehr mit Totti, sondern mit Bojan Krkić – allerdings mit Knie, das bislang heil blieb. Guaglianone ist 1,84 m groß, spritzt aber wie ein Flügelstürmer. Seine Beschleunigung über zehn Meter liegt bei 1,56 Sekunden. Messi liegt bei 1,58. Die Messlatte ist kein Mythos, sondern Laser.

Die familie schottet ab, der vater fungiert als bodyguard
Andrea Guaglianone, einst Amateurfußballer in der Serie D, kassiert Anrufe von Agenten, die dreist seine Handynummer weitergeben. Er lehnt ab. Kein Interview ohne Genehmigung des Klubs. Kein Instagram-Post ohne vorherige Löschung von Kommentaren mit Dollarzeichen. Mattia darf nur ein Gerät nutzen: ein Nokia-Button-Handy. Die Devise: Erst Titel, dann TikTok.
Die Mutter, Lucia, sitzt bei jedem Heimspiel auf der Tribüne, strickt, schweigt. Sie trägt ein T-Shirt mit der Aufschrift „10 di Roma, 10 di famiglia“. Kein Sponsor-Logo, nur Stoff. Die Botschaft: Du bist nicht allein, du bist nie allein.
Der nächste schritt: debüt in der serie a vor dem 17. geburtstag?
josé mourinho hat ihn dreimal zu den profis hochbestellt, ließ ihn bei einer einheit mit dybala und lukaku kurz dribbeln. danach sagte der portugiese nur: „ragazzo serio.“ ernst. kein höheres lob im mourinho-wörterbuch. die saison 2024/25 wird die prüfung. roma spielt conference league, pokal, liga. die minuten sind da, wenn der körper mitspielt. der medizincheck im oktober ergab: muskelfasern kürzer als normal, aber elastischer. ein gummiband, kein stahlseil. perfekt für 50 spiele pro jahr.im april feiert er 16. danach darf ihn keiner mehr aufhalten. die roma plant ein testspiel gegen eine auswahl der primavera – nur damit er vor 60.000 zuschauern im olympico joggen kann. die kamera wird auf sein gesicht zoomen. keine träne, kein lächeln. nur diese miene: ich bin zu hause, und ich bleibe.
die wette der geschäftsführung: 100 millionen oder gar nichts
Für 2026 kalkuliert die Roma zwei Szenarien: Entweder Guaglianone ist Stammspieler mit Marktwert 100 Millionen – oder er liegt mit Kreuzbandriss auf der Bahre. Es gibt kein Mittelding. Die Versicherung zahlt 15 Millionen bei Knie-OP, der Klub aber verliert mehr: das Gesicht. Deshalb trainiert er seit August mit Physiotherapeuten, die sonst nur Dzeko und Pellegrini betreuen. Die Rechnung lautet: Ein Spieler, der nie verletzt ist, muss nie verkauft werden.
Der Beweis steht ab 1. April auf dem Platz. Dann darf er offiziell unterschreiben. Die Uhr tickt, der Ball rollt. Und wer ihn einmal live sieht, vergisst die Frage nach dem nächsten Totti. Weil er plötzlich merkt: Die Zukunft trägt nicht mehr dessen Nummer. Die Zukunft trägt seinen eigenen Namen.
