Matthias ginter erinnert sich: der moment, als er dachte, sein leben sei vorbei

Der anschlag auf den bvb-mannschaftsbus – neun jahre später

Matthias Ginter, heute beim SC Freiburg spielend, hat in einem Interview mit Tommi Schmitt im Podcast „Copa TS“ schmerzhafte Erinnerungen an den Anschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund im April 2017 wachgerufen. Drei Sprengsätze explodierten auf dem Weg zum Stadion, kurz vor dem Champions-League-Spielgegen die AS Monaco. Der Innenverteidiger beschrieb, wie sich die Ereignisse für ihn anfühlten und welche Nachwirkungen bis heute spürbar sind.

„Das war’s“ – ginters todesangst

„Das war’s“ – ginters todesangst

„Da habe ich gedacht: Okay, das war’s“, gestand Ginter im Podcast. Er schilderte die hilflose Situation im Bus, die Angst vor einem möglichen Eindringen und die fehlende Möglichkeit, schnell zu reagieren. Die unmittelbare Reaktion vieler Mitfahrer, laut „Auf den Boden!“, verstärkte seine Panik. Sein erster Gedanke war nicht Flucht, sondern die Befürchtung eines Angriffs im Bus selbst.

Der glückliche umstand und die verletzung von marc bartra

Der glückliche umstand und die verletzung von marc bartra

Ginter hatte Glück im Unglück: Marc Bartra, sein damaliger Teamkollege, wurde schwer verletzt und zog sich unter anderem einen Speichenbruch zu. Ginter saß links in der Reihe, Bartra ganz rechts, was ihn vor direkten Verletzungen bewahrte. Die schwere Verletzung Bartras war jedoch ein prägendes Erlebnis für ihn.

Nachwirkungen und anhaltende sorgen

Auch heute noch, fast neun Jahre nach dem Anschlag, spürt Ginter die Nachwirkungen. „Es gibt schon Momente, wo es mal noch präsent ist“, so Ginter. Er vermeide es, im Mannschaftsbus an einem Fensterplatz zu sitzen. In den Wochen und Monaten nach dem Anschlag plagten ihn auch im Alltag Sorgen vor weiteren Anschlägen. Er beschrieb ein mulmiges Gefühl bei langsamen Fahrzeugen oder herrenlosen Rucksäcken.

Die angst im alltag und die veränderte aufmerksamkeit

„Wenn ich mit meiner Frau spazieren war in Düsseldorf, und es kam ein langsamer Laster vorbei oder ein Auto, war es schon ein mulmiges Gefühl“, erzählte Ginter. „Oder wenn man einen Rucksack alleinstehen gesehen hat. Es ist dann einfach so eine andere Aufmerksamkeit auf solche Dinge gewesen.“ Diese erhöhte Aufmerksamkeit für potenzielle Gefahren prägte seinen Alltag nach dem Anschlag.

Die entscheidung pro fußball und das leben

Für kurze Zeit hegte Ginter sogar Gedanken an ein Karriereende. Letztendlich entschied er sich jedoch für den Fußball, da er erkannte, dass es im Leben keine absolute Sicherheit gibt. „Es war eine Entscheidung für den Fußball und generell für das Leben“, erklärte er. Er habe gelernt, mit der Unsicherheit zu leben und sich nicht von der Angst beherrschen zu lassen.

Ginter: heute keine größeren probleme mehr

Mit der Zeit habe er gelernt, mit dem Erlebten umzugehen. „Ich habe gelernt, damit zu leben, dass es dazugehört. Ich habe keine größeren Probleme mehr“, schilderte Ginter. Die Sorgen seien heute nur noch selten präsent, da er das Geschehene verarbeitet und akzeptiert habe. Die Erfahrung hat ihn geprägt, aber nicht gebrochen.