Martín trägt seine schuld: „ich habe ein riesenchaos verursacht“
Jorge Martín stand im Regen von Brünn, die Schultern gesenkt, und schluckte. Drei Tage nach seinem Startfehler in Ungarn, der fünf Fahrer rauswarf und die Aprilia-Box in Rage versetzte, brach der Spanier sein Schweigen. „Das erste, was ich sagen will: Entschuldigung an alle Teams, an alle Marken, an jeden einzelnen, den ich mitgerissen habe.“ Seine Stimme zitterte kaum merklich.
Rivolas hammer: „ungläubig und unwürdig eines champions“
Massimo Rivola, Aprilia-CEO, hatte den Unfall am Sonntagabend mit drei Worten kommentiert: „No-cam-peón“. Martín musste das lesen. Gestern telefonierten sie. „Ich verstehe seine Wut. Er verliert Punkte, Geld, Ruf. Aber wir sind auf derselben Seite: Dies darf nie wieder passieren.“ Die Konsequenzen folgen sofort: Doppel-Long-lap-Strafe am Sonntag in Brünn – der Schachzug der Stewards, um ein Exempel zu statuieren.
Der Crash selbst war pure Physik. Erste Gang, Tempo 70, Asphalt rissig wie altes Pflaster. „Ich berührte die Bremse, das Vorderrad brach weg. Ich ließ etwas nach, war aber immer noch schneller als der Rest. Zweiter Bremsversuch – weg war es.“ Ein Highside, fünf Bikes wie Dominosteine. „Ich dachte nur: ‚Bitte keine Knochen, bitte niemand verletzt.‘“

Die lehre: zwei meter früher, null angst verlieren
Martín hat die Nacht mit Videos verbracht. Ergebnis: „Zwei Meter früher bremsen, das wäre alles gewesen.“ Er lacht bitter. „Aber ich werde nicht zögerlich werden. Wenn ich meinen Instinkt verliere, bleibe ich zuhause.“
Körperlich trägt er eine Prellung im Rücken davon, „nichts Dramatisches“. Psychisch sieht es anders aus. „Sonntagabend war ich am Boden. Man sieht die Bilder und denkt: ‚Was hast du angerichtet?‘“ Dabei war die Saison bislang eine Achterbahn: Klassiker-Sieg in Barcelona, Pech in Mugello, Speed in Montmeló – „hätte ohne rote Flagge Podium“, sagt er knapp.
Aprilia hat deshalb das Höhenverstellsystem am Vorderrad gestrichen. Erste Testläufe ohne Gerät: „Das Bike steht anders, bremst anders. Vielleicht rettet es uns vor genau solchen Fehlern.“
Martín schließt mit einer Ansage: „Ich lerne aus Mist, aber ich bleibe ich. Am Sonntag fahre ich mit Strafe und mit Feuer.“ Die Frage bleibt, ob Rivola ihm bis dahon verziehen hat.
