Márquez tritt die bremse: „in assen fliegt man 250 km/h, wenn man stürzt tut’s umso mehr weh“

Assen – Marc Márquez kam vom Bike, hob die Hand – und sagte: „Ich habe heute nicht getankt.“ Gemeint ist natürlich nicht Benzin, sondern Risiko. Am Freitag der Dutch TT stand auf seinem Display nicht die übliche rote Zone, sondern ein nüchterner Spar-Modus. Er wollte nur eines: nicht fallen. „Wenn du hier unten liegst, rollst du über 250 Sachen durch die Kiesgrube. Die Brocken sind groß, hart und scheuern dir die Haut ab – habe ich 2023 ausprobiert.“

Bezzecchi als maß aller dinge

Den Schnellsten des Tages erkannte Márquez sofort: Marco Bezzecchi. „Wenn er keine 37 reißt, muss er eine 37 fahren“, spielte er auf die eine Sekunde an, die zwischen Pole und Pech liegt. Selbst sieht der sechsfache Weltmeister seine eigene Chance nüchtern: „Platz sechs oder sieben wäre ein guter Tag.“ Hinter Aprilia und den drei Musketiere Bagnaia, Di Giannantonio und Acosta. Mehr verlangt er nicht, weil mehr riskieren will er noch weniger.

Kampf gegen die eigene maschine

Kampf gegen die eigene maschine

Die Honda tanzt in den schnellen Kurven wie ein Flummi. „Wenn sie sich bei 250 km/h bewegt, sind die Trägheitskräfte ein Monster.“ Jeder Druck auf den Lenker wird zur Wette gegen die Physik. Hinzu kommt die Hitze: „Sie verleiht dir Sicherheit, aber raubt dir Grip.“ In der Moto2 flogen die Piloten wie Dominosteine, auch in der MotoGP landeten mehrere in der Kiesgrube. Márquez bleib trotzdem lieber im Sauna-Modus: „Kälte in Holland ist noch schlimmer, da findest du das Limit nie.“

Start ohne startgerät: „wie auf einem chopper“

Start ohne startgerät: „wie auf einem chopper“

Neue Diskussion: Die Vorderrad-Starthilfe ist nun verboten. Márquez schüttelt den Kopf. „Ohne das Gerät hebt sich bei 300 km/h das Vorderrad, und du fliegst wie eine Gliederpuppe Richtung Kurve eins. Zweimal bin ich heute so losgefahren – das Vorderrad war noch in der Luft, als ich bremsen musste.“ Erinnert er sich an Danilo Petrucci, der 2017 in Montmeló fast wie ein Geschoss in die Boxengasse raste. „Wenn du da nicht alleine bist, schert keiner Gas zurück. Dann passiert genau das.“

Bruder álex: nur schürfwunden

Kurzer Seitenhieb auf die eigene Familie: Álex Márquez ging vorhin mit dem Roller durch die Boxengasse – „etwas abgekämpft, aber okay“. Kein gebrochener Knochen, nur blaue Flecke und Stolz auf den Bruder, der noch in den Punkten liegt.

Ausblick: qualifying mit sparflamme

Morgen wartet das Qualifying. Márquez’ Plan bleibt: „Top-10-Start, dann sehen.“ Kein Heldenmut, kein Pokerspiel. Nur kalte Rechnung. Denn wer in Assen die Karten falsch mischt, spielt nicht um Punkte, sondern um seine Gesundheit. „Und das ist ein Spiel, das ich nicht mehr mitmachen will“, sagt er und verschwindet in der Box. Die Uhr tickt – und die Geschwindigkeit wartet.