Marinovic bleibt: hbw balingen sichert sich torwart-guru für aufstiegsjagd
Die nächste Kampfansage an die 2. Handball-Bundesliga: Nikola Marinovic verlängert vorzeitig bis 2026. Der österreichische Ex-Nationaltorhüter und aktuelle Torwarttrainer des HBW Balingen-Weilstetten wird damit zum entscheidenden Pfosten im Aufstiegskreisel der Schwaben.
Keeper-seuche der vorsaison soll nicht wiederkommen
Letztes Jahr noch war der HBW auf Torwartposition gebeutelt: Verletzungen, Corona-Ausfälle, Leistungstiefs. Dann kam Marinovic. Seit Juli 2022 übernahm der 169-fache Teamspieler Österreichs die individuelle Betreuung der Gallier-Keeper. Ergebnis: Gegentore-Quote runter, Selbstvertrauen rauf, zwei Siege in Folge gegen die direkten Konkurrenten aus Konstanz und Rimpar. Sportvorstand Axel Kromer nennt das „eine klare Reaktion auf Nikos Mikro-Coaching“. Für ihn war die Verlängerung „keine Frage, sondern eine Pflichtaufgabe“.
Marinovic selbst spricht lieber Zahlen als Worte. Sein Excel-Sheet nach jedem Training: 42 abgewehrte Bälle, 8 neue Reaktionsübungen, 1.200 Würfe pro Woche. „Moderne Torwartarbeit beginnt im Kopf und endet in der Statistik“, sagt er mit dem Akzent von Wien. Dabei bleibt er selbst auf dem Trainingsparkett ein Ruhepol. Kein Brüllen, keine Trillerpfeife. Stattdessen flüsterte Hinweise, Körpersprache, kurze analytische Clips auf dem Tablet. Die Spieler nennen ihn heimlich „Niko-CPU“, weil er in Echtzeit rechnet, wann der Gegner wohl wieder Richtung Kreis zieht.

Nachwuchs profitiert vom bundesliga-brain
Doch der 40-Jährige denkt nicht nur an die Lizenzmannschaft. Dreimal pro Woche steht er auch auf den kleinen Hallen am Rande der Schwäbischen Alb. JSG Balingen-Weilstetten, A-Jugend, C-Jugend – alle Keeper bekommen denselben Drill wie die Profis. „Wenn wir langfristig oben mitspielen wollen, müssen wir jungen Typen ein System geben, nicht nur ein paar Sprungübungen“, erklärt Marinovic. Die Zahlen sprechen wieder für ihn: Seit seinem Start stieg die Fangquote der U19 um 11 %, zwei Talente stehen bereits im erweiterten Bundesliga-Kader.
Die Konkurrenz schaut neidisch. Der TV Hüttenberg probierte im Winter, den Österreicher abzuwerben – erfolglos. Auch SC Magdeburg telefonierte, bekam aber ein „nein, ich baue hier etwas auf“. Für Kromer ein Zeichen, „dass sich Leistung bei uns lohnt und nicht wegläuft“. Die Fans reagierten mit einem Spalier beim letzten Heimspiel, Marinovic wurde sogar nach dem Schlusspfiff zum „Man of the Match“ gewählt – als Trainer.
Die Botschaft ist klar: Der HBW will nicht nur den Aufstieg, sondern auch die nachhaltige Professionalisierung. Mit Marinovic verpflichtet sich die Vereinsführung einer Philosophie, die Details feiert und Talente fördert. Die Vertragsverlängerung mag auf dem Papier nur eine Personalie sein. Auf dem Feld ist sie die dritte Abwehrspielerin, die den Ball aus dem Netz holt, bevor der Gegner jubelt. Und wenn es in zwei Jahren tatsächlich zur 1. Bundesliga geht, wird niemand mehr überrascht sein – außer vielleicht die eigenen Keeper, die schon lange wissen, wer ihre Geheimwaffe ist.
