Marco maier jagt gold statt silber: der allgäuer kämpft gegen seinen größten gegner – die eigenen erwartungen
Der Druck sitzt. Nicht auf den Schultern, sondern im Kopf. Marco Maier, 26, Para-Biathlon-Star aus dem Allgäu, geht heute (12.40 Uhr) als Mitfavorit in den Sprint – und das macht ihm mehr zu schaffen, als jeder Schneesturm es könnte.
Von der geheimwaffe zum gejagten
2022 in Peking holte er doppelt Silber, überraschend, unbeschwert. Seitdem ist er dreimal Weltmeister. „Man kommt nicht mehr aus dem Nichts“, sagt er. „Jetzt steht man die ganze Zeit im Fokus.“ Die Scheinwerler sind heller, die Erwartungen höher, die Angst, schlechter zu werden, größer. „Zu sagen, dass es keinen Druck macht, wäre eine Lüge. Es macht sehr, sehr viel Druck sogar.“
Was niemand sieht: Hinter der coolen Fassade schlummert die Erinnerung an 2016. Da war er 18, frisch nach Freiburg gezogen, plötzlich keine Startgenehmigung mehr. Die Klassifizierung stufte ihn um – mit der Begründung, er könne den Stock tapen und damit unfair Vorteile erzielen. Unsinn, sagt Maier. „Es war super schwer und eine harte Zeit.“ Seine Hand: drei Finger ohne Endglieder seit der Geburt. Sein Traum: fast geplatzt.

Die stunde des zweifels
Er überlegte aufzugeben. „Dann kurz davor zu sein, alles zu verlieren, war ein harter Rückschlag.“ Das Team zerrte ihn aus dem Loch. Training um Training, Kilometer um Kilometer. „Manchmal zahlt es sich doch aus, wenn man weiterkämpft und dranbleibt.“
Heute will er „eins draufsetzen“. Gold statt Silber. Die Medaillen von Peking „kann einem keiner mehr wegnehmen“, sagt er. Aber er will sich selbst nicht enttäuschen. Der größte Gegner? Nicht der Norweger, nicht der Franzose. Es ist der 19-jährige Maier, der noch in seinem Kopf mitläuft und fragt: Schaffst du es wieder?
Die Antwort fällt heute im Schneeregen von Pyeongchang. Keine Lügen mehr, nur noch Schweiß und Pulver.
