Marcelino packt aus: warum villarreal ihn nur noch ein jahr wollte
- Warum er villarreal nicht um jeden preis halten wollte
- Champions-league-fiasko? er sieht das anders
- Auslandsabenteuer? die englisch-stunden werden wieder teuer
- Die lehre aus marseille: zu schnell zugesagt, zu schnell gegangen
- Spanien verliert den anschluss – und das liegt nicht an der taktik
- Urlaub mit hintergedanken
Kein Verein, kein Stress. Marcelino García Toral sitzt in der Sonne des Novotel Valencia Lavant, nippt an seinem Kaffee und blickt auf die Altstadt, als wäre das alles ein langer Sommertag ohne Deadline. Dabei klingelt sein Handy seit Wochen – aber er legt nicht mal ansatzweise auf „Annehmen“.
Warum er villarreal nicht um jeden preis halten wollte
Die Vertragsverlängerung, so erzählt er, war nie eine Frage des Preises, sondern des Respekts. „Ich habe zugesagt, als wir noch mit 12 Punkten aus 13 Spielen im Abstiegskampf lagen“, sagt er ruhig. „Dann holen wir in der Rückrunde 34 Punkte, im Folgejahr werden wir Fünfter, im Anschluss Dritter – und man bietet nur ein weiteres Jahr?“ Er zuckt die Schultern, als wäre das Gespräch schon beendet.
Die Führung wollte Iñigo Pérez drei Jahre geben – dem neuen Mann. Marcelino blieb nur die Ein-Jahres-Option. „Natürlich nehme ich das zur Kenntnis. Aber ich teile die Entscheidung nicht. Ein Jahr war für mich ein Signal: Wir vertrauen dir nicht mehr so richtig.“

Champions-league-fiasko? er sieht das anders
Die Gruppenphase war ein Desaster, das steht fest. Aber der Coach rechnet vor: „Wir mussten jedes Mal das Team neu erfinden. Foyth, Cabanes, Kambwuala – lange verletzt. Drei Top-Stürmer abgegeben. Und trotzdem qualifizieren wir uns vier Spieltage vor Schluss und lassen die Konkurrenz 15, 20 Punkte hinter uns.“ Er lacht leise. „Wenn das keine Eins-Zwei-Noten-Saison ist, was dann?“
Die 5:1-Demontage des Atlético kurz vor Saisonende war sein persönlicher Schlussstrich. „Da haben wir gezeigt, was drinsteckt. Danach war klar: Dritter Platz ist kein Zufall.“

Auslandsabenteuer? die englisch-stunden werden wieder teuer
Spanien ist für ihn gerade zu. Kein freier Top-Klub, kein Mittelklasse-Projekt mit Zukunft. Also schielt er Richtung Premier League, Serie A – oder noch weiter. „Ich hatte wieder Englisch-Unterricht gebucht. Wenn man international will, muss man sich eben anstrengen.“
Saudi-Arabien, Katar? Er zögert nicht. „Früher sagte ich: ‚Nie im Leben.‘ Und dann passierte es. Wenn das Projekt sportlich und menschlich stimmt, schaue ich nicht weg.“

Die lehre aus marseille: zu schnell zugesagt, zu schnell gegangen
Vier Spiele – mehr war nicht drin beim OM. „Da hat mir das Leben gezeigt, wie wichtig Stabilität ist“, sagt er. „Ein Präsident, der flieht, Ultras, die randalieren – das will kein Trainer.“ Die Erfahrung prägt seine aktuelle Geduld. „Wir sind nicht mehr am Anfang, wir dürfen wählen.“

Spanien verliert den anschluss – und das liegt nicht an der taktik
Zwei spanische Trainer im Champions-League-Finale, einer im Conference-League-Finale – das beweist für ihn, dass die Kritik am Coaching übertrieben ist. „Das Problem ist nicht die Taktik, sondern der Euro.“ Er zieht eine klare Linie: „Crystal Palace kauft uns Yeremy weg, obwohl sie nur Mittelfeld waren. Villarreal kann da nicht mithalten. Fünf Premier-League-Klubs unter den besten Acht der Champions League – das sagt alles.“
Die Konsequenz: Das Geld bestimmt die Kräfte, nicht der Ball. „Wenn die Premier League weiter so investiert, wird der Abstand nur größer.“

Urlaub mit hintergedanken
Bis der nächste Klub kommt, genießt er die Ruhe in Asturien. „Ich werde mir die WM-Eröffnungen anschauen – und dann weg vom Bildschirm. Wenn ich arbeite, arbeite ich 24/7. Wenn nicht, schalte ich ab.“
Und wann geht’s los? Er grinst. „Wenn das Projekt sitzt. Nicht eine Woche früher.“
