Marathon-sensation: wie claudio berardelli sabastian sawe zum weltrekord führte
London bebte! Sabastian Sawe brach bei der TCS London Marathon die Zwei-Stunden-Marke und lief eine Zeit von 1:59:30 – ein Ergebnis, das nicht aus dem Nichts entstanden ist. Hinter diesem historischen Erfolg verbirgt sich eine unglaubliche Trainingsphilosophie, die uns sein Coach, Claudio Berardelli, exklusiv präsentiert hat.

Der weg zum rekord: mehr als nur kilometer
Es war keine spontane Idee, unter zwei Stunden zu laufen. Berardelli erklärt, dass das Projekt schon lange existierte, auch wenn der Erfolg in London unerwartet kam. „Unter zwei Stunden? Nein, das habe ich nicht erwartet, obwohl ich wusste, dass Sabastian in Topform war. Wir haben lange daran gearbeitet, und dann haben sich die Sterne richtig gestellt.“ Für alle ambitionierten Läufer bedeutet das: Großartige Leistungen sind das Ergebnis jahrelanger, strukturierter Arbeit, nicht kurzfristiger Höchstleistungen. Die Ziellinie ist nur die Spitze des Eisbergs.
Ein Trainingsvolumen, das schockiert: Sawe wurde nicht nur „in Form gebracht“, sondern transformiert. „Seit ich ihn trainiere, haben wir viel verändert. Er war ein ungeschliffener Diamant, den niemand entdeckt hatte. Und es gibt noch viel zu entdecken“, so Berardelli. Das Trainingsvolumen ist schlichtweg astronomisch: In den letzten sechs Wochen lief Sawe konstant 200 Kilometer pro Woche, mit einem Höchststand von 240 Kilometern. Aber es geht nicht nur um die Quantität, sondern auch um die Qualität. Ein 40-Kilometer-Training in 2:01 Stunden – das entspricht einer Marathonzeit von 2:07 Stunden – zeigt, wie intensiv gearbeitet wurde.
Die Bedeutung der Erholung wird oft unterschätzt. Berardelli betont: „Erholung ist fundamental. Es geht darum, so viel wie möglich zu ruhen.“ In Kapsabet, Kenia, wo Sawe lebt und trainiert, steht die Regeneration im Mittelpunkt: viel Schlaf, einfache Ernährung und intensive Physiotherapie.
Mehr als nur Muskeln: Ein umfassendes Team aus kenianischen Physiotherapeuten und dem italienischen Experten Francesco Lancini kümmert sich um den Körper. Massagen, Tecar-Behandlungen, Pressotherapie und gezieltes Krafttraining gehören zur täglichen Routine. Und das ist kein Zufall: „Fast täglich erhält er Massagen.“ Die Botschaft ist klar: Prävention ist besser als Heilung.
Auch mental wurde viel Arbeit geleistet. Berardelli übernimmt hier selbst einen Teil der Verantwortung: „Ich arbeite täglich an diesem Aspekt, denn persönliche Stabilität ist die Grundlage für alles.“ Routine, Gleichgewicht und eine positive Umgebung sind wichtiger als einzelne Motivationsstrategien.
Die Ernährung ist schlicht und ausgewogen: typisch kenianische Kost mit viel Kohlenhydraten und Proteinen, oft in Form von Hülsenfrüchten. Das tägliche Ritual: „Er isst jeden Abend Ugali, eine Art Polenta, zusammen mit Gemüse und Rindfleisch.“ Keine komplizierten Diäten, sondern eine bodenständige Ernährung, die den Trainingsaufwand unterstützt.
Berardelli erinnert sich an einen entscheidenden Moment: „Bei der Halbmarathon-Meisterschaft in Sevilla 2022 sollte er bis zum 10. Kilometer die Tempo machen und dann aufhören. Stattdessen lief er weiter und gewann mit einem neuen Streckenrekord. Da wusste ich, dass etwas Besonderes in ihm steckt.“ Es ist dieser unberechenbare Faktor, der einen guten Athleten zu einem Champion macht – die Fähigkeit, über sich hinauszuwachsen, wenn Körper und Geist es zulassen.
Die Geschichte von Sabastian Sawe ist zwar nicht für jeden Läufer replizierbar, aber die Prinzipien dahinter – langfristiger Aufbau, Balance zwischen Belastung und Erholung, Körperbewusstsein und einfache Gewohnheiten – sind universell gültig. Denn letztendlich entscheidet nicht nur die Leistung, sondern auch die Leidenschaft und das Engagement für den Sport.
