Mappes wirft schon vor dem anwurf: derbysieg steht fest
Dominik Mappes spricht es aus, was viele Wetzlarer Fans nur hoffen: „Jetzt holen wir den Derbysieg.“ Die HSG liegt auf dem letzten Platz, die MT Melsungen reist als Favorit – und genau das ist dem 31-jährigen Kapitän recht. „Druck liegt beim Gegner“, sagt er knapp, bevor er ins Detail geht.
Warum ein sieg trotz tabellenplatz drin ist
Die Zahlen sprechen gegen Wetzlar: nur zwei Heimsiege, die zweitschlechteste Offensive der Liga, dazu eine verletzungsbedingte Zitterphase Mitte der Saison. Doch Mappes zieht seine eigene Bilanz: „Außer gegen Berlin haben wir in den letzten Wochen deutlich zugelegt, die Abstimmung stimmt wieder.“ Trainer Michael Roth hat die 3-2-1-Deckung verschärft, Linksaußen Philipp Ahouansoutrifft seit fünf Spielen in Serie. Und der Kreisläufer? „Ich bin wieder voll belastbar“, sagt Mappes, der sich den Mittelfuß anknackste und fünf Wochen ausfiel.
Die MT Melsungen kommt mit der besten Rückrunde der Vereinsgeschichte – aber auch mit einer Schwäche: Auswärts kassierte die Mannschaft von Heiko Grimm in den letzten drei Partien durchschnittlich 32 Tore. Wetzlar konnte in diesen Spielen jeweils die 30er-Marke knacken. Die Rechnung ist simpel: Wenn Marko Jurina und Adam Nyfjäll ihre Wurfquote über 70 % bringen, wird es eng im Rittal-Arena-Kessel.

Das emotionale fünf-punkte-programm des kapitäns
Mappes hat sich selbst eine Checkliste gebastelt, die er nach dem Training abhakt. Punkt eins: Tempo. „Wir müssen die ersten fünf Sekunden nach Ballgewinn nutzen, sonst läuft Melsungen seine Kreisläufer frei.“ Punkt zwei: 7-Meter-Konsequenz. In der Hinrunde scheiterte Wetzlar dreimal vom Punkt – alle drei Male folgte binnen 90 Sekunden das Gegentor. Punkt drei: Pyrotechnik. Die Nordkurve hat 1.200 Bengalos bestellt, Mappes will sie nach dem Abpfiff zünden sehen.
Punkt vier ist persönlich: 2018 gewann er mit TV Hüttenberg in Melsungen 27:26, damals noch mit Rastalocken. „Ich hab dieses Gefühl auf der Festplatte gespeichert“, sagt er und tippt sich an die Stirn. Punkt fünf: die Tabellenignoranz. „Wer jetzt rechnet, verliert die Nerven. Derby ist Derby, da zählt nur, wer zuerner 60 Minuten schreit.“
Die Buchmacher sehen die HSG bei 4,2:1 – ein Wert, der Mappes schmunzeln lässt. „Letztes Mal, als wir Außenseiter waren, haben wir Kiel 28:27 geschlagen.“ Die Uhr tickt, bis Sonntag 16.30 Uhr sind es 52 Stunden. Mappes hat schon das Trikot mit der Nummer 23 aufgehängt, das mit dem kleinen Riss am Ärmel. „Der bringt’s“, sagt er. Und wenn nicht? Dann steht direkt danach das nächste Schlüsselspiel gegen Bietigheim. „Aber erst mal jubeln“, sagt er und geht zur Taktikbesprechung. Die HSG-Abteilung bestellte schon 200 Meter Fanware – sie ist sich offenbar genauso sicher wie ihr Kapitän.
