Mama wird managerin: öberg-schwestern feuern starberater und setzen auf familien-all-in

Hanna und Elvira Öberg haben ihren langjährigen Agenten Olle Håkansson vor die Tür gesetzt. Künftig regelt Mama Viktoria Kalender, Geld und Sponsoren – ein Ruck, der das Biathlon-Zirkus aufhorchen lässt.

Warum der weltcup-zweite platz plötzlich nicht mehr reicht

Die Schwedinnen lieferten in der vergangenen Saison ab: Hanna holte Gesamtweltcup-Silber, Elvira wurde Vierte. Doch mit jedem Podestplatz wuchs der Papierkrieg. Fanpost aus Deutschland stapelte sich, Terminanfragen aus München, Oslo und Oberhof überfluteten die Mailbox. „Wir haben gemerkt: Irgendwann zählt jede Sekunde, die man nicht auf dem Schießstand verbringen muss“, sagt Elvira im Gespräch mit dem Stockholmer Expressen.

Die Lösung ist radikal. Viktoria Öberg kündigt ihre Stelle als Verwaltungsangestellte, schreibt ab Sommer Rechnungen, verhandelt Ausrüsterverträge und filtert Interviewwünsche. „Mama kennt uns besser als jeder Berater, und sie traut sich, Nein zu sagen“, betont Hanna. Die 30-Jährige lacht, wischt aber auch den Makel vom Tisch: „Es gab keinen Streit mit Olle. Wir wollten einfach 100 Prozent Kontrolle.“

Der preis der nähe: familienstruktur statt profi-apparat

Der preis der nähe: familienstruktur statt profi-apparat

Branchenkenner wissen: Ein Wechsel vom etablierten Management ins Familiensystem kann nach hinten losgehen. Verträge verstauben, Steuerfristen verpassen, Sponsoren flüchten. Die Öbergs haben sich trotzdem versichert – mit einem externen Steuerberater, der quartalsweise das Zahlenwerk prüft. „Wir sind keine Romantiker“, sagt Elvira. „Wir wollen ein schlankes Büro, das läuft, auch wenn wir im November in Hochfilzen stehen.“

Die erste Bewährungsprobe kommt schon im Juli. Dann steht ein dreiwöchiger Sommer-Camp-Marathon in Lenzerheide auf dem Plan, parallel laufen Gespräche mit einem deutschen Outdoor-Sponsor, der die Schwestern auf Social-Media-Kanälen platzieren will. „Wenn Mama das stemmt, sind wir für den Winter unbesiegbar“, sagt Hanna und meint es halb im Ernst.

Die Botschaft an den Rest des Skizirkus ist klar: Wer die Öbergs buchen will, muss künftig nicht mehr bei einem Agentur-Anruf in Uppsala vorstellig werden, sondern direkt Viktoria Öberg auf dem Familien-Handy erreichen. Ob das Modell Schule macht, entscheidet sich an den ersten Weltcuplehrgängen in Kontiolahti. Dort will Hanna zeigen, dass Manager-Mama und Podestplätze keine Gegensätze sind – sondern das neue Einmaleins des modernen Biathlons.