Maly verweigert heerenveen – proteststurm gegen eisschnelllauf-verband wächst
Felix Maly fährt nicht zur WM. Punkt. Der Olympia-Zehnte verzichtet auf Startrecht in Heerenveen, weil der Deutsche Eisschnelllauf- und Shorttrack-Gemeinschaft (DESG) sein Teamkollege Fridtjof Petzold den Mund verbieten will. Die Drohkulisse: Wer Kritik äußert, fliegt – und das ausgerechnet in einem Verband, der seit Monaten mit strukturellen Versäumnissen kämpft.
„Fairness vor formel“ – maly erklärt boykott
Maly schickt keine Pressemitteilung, sondern eine klare Botschaft: „Leistungssportler brauchen verlässliche Rahmenbedingungen.“ Für ihn heißt das: offenen Dialog, keine Repressalien. Nach Petzolds Ausschluss wegen öffentlicher Kritik an Bundestrainer Alexis Contin und an der Betreuungsstruktur sieht er genau diese rote Linie überschritten. Seine Konsequenz: Er verweigert die Nominierung, stellt sich hinter seinen Kumpel und schickt der DESG ein Signal, das weit über Eisschnelllauf hinausgeht.
Verbandschef Matthias Große kontert mit Härte. Petzold habe „keine Leistung“ gebracht und „sich nicht an die Regeln“ gehalten. Für Große ist die Sache klar: Kritik an der Struktur gleich Kaderverstoß. Die Kehrseite: Die Athletensprecher von Athleten Deutschland e. V. sprechen von Einschüchterung und fordern ein sofortiges Ende des Startverbots. Johannes Herber wettert: „Wer Probleme anspricht, wird rausgeworfen.“

Ard-bericht zündete pulverfass
Den Zündfunk lieferte ein Recherche-Team des ARD. Die Dokumentation von Hajo Seppelt und Jörg Mebus zeigt ein System, in dem Leistungsträger zwischen Rundlaufbahn und Förderverein gefangen sind, in dem Budgetlücken durch Sponsorenstopfen müssen und in dem Athleten sich allein gelassen fühlen. Die DESG reagiert mit Anschuldigungen gegen die Sender: „Hass-Spiel“ und „Lügen“ heißt es intern. Statt Aufarbeitung folgt Anklage – und jetzt der nächste Rückschlag: Maly fehlt in Heerenveen, ein Medaillenkandidat weniger.
Die Zahlen sprechen für sich: Seit Sotschi 2014 hat das deutsche Eisschnelllauf-Team bei Olympischen Spielen nur eine Silbermedaille geholt – und die war im Teamwettbewerb. Die internationale Konkurrenz investiert in Wissenschafts- und Mental-Coaches, während deutsche Athleten über fehlende Physiotherapeuten klagen. Petzold hatte genau das angesprochen. Sein Dank: Suspendierung.
Malys Entscheidung schmerzt kurzfristig – er verzichtet auf Punkte für den Weltcup und auf Preisgeld. Langfristig aber schlägt er einen Nagel in die Wand: Ohne offene Kultur kein Fortschritt. Die DESG steht vor der Wahl: weiter auf Krisenmodus oder endlich auf Dialog. Die Uhr tickt, denn schon in zwölf Monaten beginnt der Olympia-Zyklus für Milan-Cortina. Wer bis dahin nicht die Athleten an Bord holt, fährt nicht nur mit einer Mannschaft, sondern mit einem Machtvakuum nach Italien.
Ein Boykott als Weckruf – das gab es im deutschen Wintereinzelsport schon lange nicht mehr. Die Frage ist nicht, ob die DESG reagiert, sondern wie schnell. Denn wenn sich jetzt weitere Leistungsträger solidarisieren, steht der Verband bald allein auf der Eisfläche.
