Malinin fegt olympia-frust weg – 111 punkte lassen prag erbeben

Ilia Malinin hat die Eishalle in Prag in ein Katapult verwandelt. Mit zwei Vierfachsprüngen und einem Rückwärtssalto, der wie ein Cheatcode aussah, jagte er 111,29 Punkte auf die Anzeigetafel – persönliche Bestleistung, Weltklasse-Abstand, Warnschuss für jeden, der noch glaubte, Olympia sei das Ende seiner Story.

Der „quad-gott“ schreibt ein neues kapitel

Sechs Wochen nach dem Debakel von Peking, wo er als Favorit nach dem Kurzprogramm noch acht wurde, ließ Malinin die Katastrophe wie altes Eis abschmelzen. Die Zuschauer vergaßen sogar zu atmen, als er den zweiten Quad Toe Loop landete und direkt den Salto anschloss – eine Kombination, die eigentlich nur in Skate-Games existiert. Dabei blieb er nur 2,68 Punkte unter dem Weltrekord seines Landsmannes Nathan Chen. Die Botschaft: der Thron hat einen neuen Anwärter.

Hinter ihm schaltet Adam Siao Him Fa aus Frankreich auf Angriffsmodus, doch die Lücke von fast zehn Punkten wirkt wie ein Ozean. Estlands Aleksandr Selevko hält mit 96,49 Zählern zwar Bronze-Position, wirkt aber bereits wie der erste Fan, der ein Autogramm haben will.

Deutschland hat einen neuen jungen auf dem eis

Deutschland hat einen neuen jungen auf dem eis

Genrikh Gartung schlüpfte in Prag aus dem Anzug eines Zuschauers und direkt in die Rolle des jüngsten WM-Teilnehmers. Platz 23 reicht fürs Finale – für den 18-jährigen Deutschen ist das bereits ein Hauch von Sensationsluft. „Nicht perfekt, aber meins“, sagte er nach Problemen am dreifachen Axel und Vierfach Lutz. Kein Excuse, nur ein Fakt. In einer Szene, die sonst von asiatischen und nordamerikanischen Akrobaten dominiert wird, steht plötzlich ein deutscher Vorname im Rennen.

Die Kür am Samstag um 12.30 Uhr verspricht Drama pur. Malinin muss nur nicht stürzen – dann ist der doppelte Weltmeister ein Triple-Champion. Doch die Eishalle hat schon gesehen, wie schnell Glanz zu Glatteis wird. Die Frage ist nicht, ob er die Sprünge kann, sondern ob er das Gedächtnis der Eisfläche überlisten kann, die ihn in Peking noch ausgetrickst hat.

111,29 Punkte – eine Zahl, die lauter schreit als jede Analyse. Wenn Malinin am Samstag nur halb so abhebt, wird Prag nicht nur einen neuen Champion kühlen, sondern auch ein neues Kapitel Eiskunstlauf-Geschichte schreiben. Der „Quad-Gott“ ist zurück – und diesmal wirkt Olympia wie bloß eine Fußnote.