Malaika mihambo zittert sich zur neunten goldrallye – dortmund sieht 6,57 m
Die Helmut-Körnig-Halle bebte, 4000 Kehlen schrien sich heiser – und Malaika Mihambo flog trotzdem erst in Runde vier. 6,57 m, Saisonbestweite, neunter nationaler Hallentitel. Klingt klar, war es nicht. Die Olympia-Queen aus Kurpfalz hatte vorher zwei Fouls und 6,37 m auf der Uhr, Libby Buder (TSG Bergedorf) atmete ihr mit 6,41 m im Nacken. Dann kam der Satz, der alles wegradierte.
Infekt, frust, fehlversuch – und dann die antwort
„Ich hab die Halle gespürt, aber meine Beine noch nicht“, sagte Mihambo hinterher. Drei Wochen nach einer Magen-Darm-Entzündung war Düsseldorf (6,21 m) und Karlsruhe (6,31 m) noch Moderkost. Dortmund sollte die Generalprobe für Birmingham sein – stattdessen wurde es ein Krimi. Coach John Millar biss sich die Zunge blutig, als Sprung zwei und drei im Sand verschwanden. Die vierte Anlaufspur war Programm: 18,5 °C Hallentemperatur, 1,2 m/s Zug vom Kernwärmer, und Mihambo nahm Anlauf wie in Tokio. 6,57 m, Leuchtband, Publikum explodiert. Buder zuckte nur mit den Schultern, mehr war nicht drin.
Anna-Elisabeth Ehlers (Bayer Leverkusen) landete mit 6,35 m auf Rang drei, für sie geht’s nach eigener Aussage „nur“ um die 6,50-Marke vor der Winterpause. Für Mihambo tickt die Uhr schon lauter: ISTAF Indoor am Freitag in Berlin, dann Schluss mit Halle. Die WM in Torún hatte sie schon im Januar abgehakt – „kein Sinn, wenn der Körper noch rauscht“, sagt sie. Stattdessen jagt sie den Titel bei der EM im Sommer. Birmingham, 12. August, Geläuf im Alexander-Stadium. Dort will sie 7,10 m springen, sagt sie offen. „Ich weiß, dass ich die 7-Meter-Linie noch nicht berührt habe in dieser Saison. Aber ich spüre sie unter den Sohlen.“

Die zahlen, die nachhallen
9 Siege in Folge bei der Deutschen, 32 Jahre alt, 64 Wettkämpfe seit 2019 ohne Niederlage im Fernsehen. Mihambos Konstanz ist schon fast lästig für die Konkurrenz. Doch die Statistik versteckt einen Haken: Ihre Saisonbestweite von 6,57 m reicht aktuell nur für Platz 4 der Weltjahresbesten – hinter der Serbin Ivana Španović (6,71 m) und beiden US-Youngstern. Die Message ist klar: Sie muss zulegen, will sie in Birmingham nicht nur Gold, sondern auch die Weite.
Ab Montag Trainingslager in Potchefstroom, Südafrika, 14 Tage, 120 Sprünge, dann der Übergang auf Sommerkiesel. „Ich nehme keine Kompromisse mehr“, sagt sie und schwingt sich in den Cool-Down-Jog. Die Halle schaltet langsam das Licht aus, doch Mihambos Schatten liegt noch lange über der Tartanrunde – ein Bild, das ihre Gegnerinnen auch im Sommer nicht vergessen werden.
