Mainz 05 schockt vfb stuttgart mit 4:2-kantersieg vor rekordkulisse

31.736 Zuschauer, ein Fahnenmeer aus Rot-Weiß und ein Klatscheck, der bis zur Schlusssirene nachhallte: Im ersten Top-Spiel der 2. Frauen-Bundesliga in der Mercedes-Benz-Arena schlug Mainz 05 den Tabellenführer VfB Stuttgart mit 4:2 und stach sich damit selbst ins Herz der Fans.

Mainz dreht den spieß um und träumt laut vom aufstieg

Die Gäste begannen leidenschaftlich, aber ohne Tempo. Erst nach der Pause explodierte die Partie. Daphina Redzepi glich für Stuttgart aus, doch Johanna Berg antwortete nur 120 Sekunden später. Vital Kats vollendete ihren Hattrick, ehe Leonie Schetter das 2:4 erzielte. Die Zahlen sind eindeutig: Mainz kassierte in dieser Saison erst neun Gegentore – drei davon an diesem Samstag, aber sie schossen vier. „Eigentlich war der Plan Klassenerhalt“, sagte Chiara Bouziane und lachte sich schon fast entschuldigend ins eigene Mikrofon. „Mal schauen, was da noch geht.“

Das „was“ ist längst kein Geheimnis mehr. Mit 42 Punkten nach 19 Spielen stehen die Rheinhessinnen auf Rang drei, zwei Zähler hinter dem VfB. Das Rückspiel in Mainz findet am 9. Mai statt – dann vor eigener Kulisse, aber ohne 30.000 Fans. Denn das Stadion am Bruchweg fasst nur 5 000. Die Spielerinnen wissen: Die Punkte zählen, nicht die Dekibel.

Glass nennt es „historisch“, gerber spricht von dankbarkeit

Glass nennt es „historisch“, gerber spricht von dankbarkeit

Sascha Glass, Sportdirektor für Mädchen- und Frauenfußball beim VfB, atmete tief, als er die leeren Ränge sah. „Ein historischer Tag“, sagte er und strich sich die Haare aus der Stirn. „Aber wir haben die Rechnung ohne Vital Kats gemacht.“ Trainer Heiko Gerber fand trotz Niederlage lobende Worte: „Wir sind mega dankbar, hätten uns aber ein anderes Ergebnis gewünscht.“

Dankbarkeit hin oder her – die Stuttgarter Defensive wirkte in der Schlussphase wie gelähmt. Kiara Beck im Tor parierte zweimal stark, aber dreimal war sie chancenlos. Die Statistik verrät: Stuttgart kassierte erst viermal in dieser Spielzeit mehr als zwei Gegentore. Zweimal davon gegen Mainz. Das sagt alles über die Form der Gäste und die Lücken der Hausherren.

Frauenfußball beweist: erst die leistung, dann die quote

Frauenfußball beweist: erst die leistung, dann die quote

Die 2. Liga verzeichnete noch nie eine höhere Zuschauerzahl. Der alte Rekord datierte vom März 2023: 7.840 Zuschauer beim Duell Turbine Potsdam gegen Werder Bremen. Jetzt also das Vierfache. Ohne Pyro, ohne Dauergesänge, dafür mit Pappschildern und Familien auf den Rängen. Die TV-Quote wird in ein paar Tagen veröffentlicht, doch schon jetzt ist klar: Die Zahlen werden steigen, weil das Produkt stimmt.

Die Spielerinnen fühlen sich sichtbar wohl in der neuen Rolle. „Das Gefühl war mega“, sagte Redzepi. „Wunderschön, wie viele gekommen sind.“ Johanna Berg berichtete von „wackeligen Beinen“ und „positivem Effekt“ gleichzeitig. Man merkt: Sie reden nicht über Quoten, sondern über Emotionen. Das ist der eigentliche Triumph dieses Tages.

Am Ende bleibt ein Fakt, der lauter ist als jedes „VfB“-Rufen: Mainz 05 hat die beste Auswärtsbilanz der Liga und jetzt auch den Mut, offen vom Aufstieg zu träumen. Stuttgart hingegen muss sich fragen, warum die Abwehrreihe in den entscheidenden Momenten den Faden verlor. Die Antwort wird kommen – am 9. Mai, wenn die kleine Mainzer Arena zum großen Schauplatz wird. Bis dahin zählt nur eins: Rekorde sind schön, Punkte sind Königinnen.