Mainz 05 bindet rückraum-talente: burgard, bartaseviciute und specht bleiben
Der 1. FSV Mainz 05 setzt auf Kontinuität im linken Rückraum. Christine Burgard und Rugile Bartaseviciute verlängern vorzeitig, Juliane Specht stand ohnehin bis 2027 unter Vertrag. Damit sichert sich der Zweitligist drei Leistungsträgerinnen, die in der abgelaufenen Spielzeit maßgeblich den Klassenerhalt prägten.
Christine burgard: vom aufsteiger zur assist-queen
Nur ein Jahr ist sie dabei, doch ihre Zahlen sprechen eine klare Sprache: 127 Tore, 93 Assists, Quote 42 % aus dem Feld. Die 25-jährige Rheinländerin kam vom Drittligisten HSG Bensheim/Auerbach und katapultierte sich sofort in die Startformation. „Chrissi sieht Dinge, bevor sie passieren“, schwärmt Trainer Norman Schulze. Besonders ihr Zusammenspiel mit Kreisläuferin Mia Ziercke zerlegte in der Rückrunde manche Abwehr wie ein Puzzle.
Der neue Kontrakt gilt bis 2026, beinhaltet aber eine Option auf die Bundesliga, sollte Mainz aufsteigen. Intern gilt Burgard inzwischen als „verlängerter Arm des Trainingsstabs“ – sie coacht während des Spiels mit, gibt Hinweise aus dem Rückraum, organisiert Positionsspiel und Tempogegenstoß.

Rugile bartaseviciute: litauische wundertüte mit erfahrung
Vier Jahre ist die 23-jährige Linksaußen nun schon im Klub. Ihre Statistik liest sich wie ein Lehrbuch für zweite Welle: 78 Tempogegenstöße, 62 verwandelt. „Rugi läuft sich frei, während andere noch denken“, sagt Schulze. In dieser Saison fiel auf, dass sie nun auch in der Deckung mehr fordert: 42 Ballgewinne, 7 Siebenmeter provoziert. Ihre neue Rolle: ältere Schwester für Neuzugang Jette Oeding, die aus der Jugend kommt.
Der Vertrag wurde um zwei Jahre verlängert, bis 2025. Interne Zielsetzung: mindestens 120 Tore pro Saison, Quote 67 %. „Klingt hoch, aber sie schafft das“, glaubt Sportchef Detlef Gottwald. Die Litauerin selbst will „den Sprung in die Nationalmannschaft“, ein Gespräch mit Bundestrainer Mindaugas Andriuška steht an.

Juliane specht: österreichs heimliches talent
Nur 21 Jahre alt, schon 58 Zweitliga-Einsätze. Die Grazerin spielte parallel in der 3. Liga (D2) und rettete dort mit 92 Treffern den Klassenerhalt. „Doppeleinsatz war hart, aber ich wollte Spielpraxis“, sagt sie. Ihre Entwicklung ist messbar: plus 4 cm Sprunghöhe, plus 6 km/h Wurfgeschwindigkeit, minus 0,3 s Reaktionszeit. Schulze nennt sie „die ruhige Gewalt“ im linken Rückraum, weil sie kaum Fehlwürfe produziert – nur 17 in der kompletten Saison.
Specht steht ohnehin bis 2027 unter Vertrag, doch die Klubführung zog die Option auf ein Leistungstief schon jetzt. Gehalt wurde angehoben, dafür verzichtete sie auf einen Ausstiegsklausel. „Ich fühle mich wohl, will mit Mainz aufsteigen“, sagt sie. Nationalteam-Coach Herbert Müller hat sie erstmals in den erweiterten Kader berufen – ein Traum, der Realität wird.

Was bedeutet das für mainz?
Die Dreierkette links hinterlässt Gegner ratlos: Burgards Blick, Bartaseviciutes Tempo, Spechts Präzision. Gemeinsam erzielten sie 312 der 682 Mainzer Tore – fast 46 %. Mit der Vertragsverlängerung sichert sich der Klub nicht nur sportlich Planungssicherheit, sondern auch Marktwert. Geschätzter Gesamttransferwert der drei Spielerinnen: rund 350.000 Euro – ein Betrag, der in der Frauen-Zweitliga-Szene enorm ist.
Doch es gibt auch Risiken: Verletzungen, Formschwankungen, mögliche Abwerbversuche aus der Bundesliga. Schulze ist trotzdem gelassen: „Wir haben jetzt drei Spielerinnen, die sich gegenseitig pushen. Das zieht die ganze Mannschaft hoch.“ Nächster Schritt: Verpflichtung einer rechtsstämmigen Rückraumspielerin, um die Abhängigkeit von Nationalspielerin Mia Ziercke zu reduzieren.
Die Botschaft ist klar: Mainz 05 will nicht nur den Klassenerhalt, sondern in zwei Jahren den Aufstieg. Mit Burgard, Bartaseviciute und Specht hat der Klub das Fundament – jetzt muss nur noch das Haus stehen.
