Maier krönt monster-saison mit kristall-platz drei – himmelsbach fliegt im finale weg

Skicross ist kein Spiel für Zarte. In Gällivare schickte sich Daniela Maier an, Sandra Näslunds Kristall-Koronation zu stören. 30 Grad unter Null, Eisnebel über der Piste – und trotzdem lief die 30-Jährige der Schwedin 200 Meter lang in die Quere. Am Ende reichte es erneut Platz drei, doch die Zahl, die zählt, steht in ihrem Pass: 1033 Weltcup-Punkte – mehr gab es nie vom SC Urach.

Näslund schraubt sich selbst an die decke

Die Königin blieb sie trotzdem. Näslund sammelte 1268 Zähler, holte ihren fünften Gesamtweltcup und stellte nebenbei die neue Benchmark für alle, die kommen wollen. „Das ist keine Dominanz, das ist ein Statement“, sagte Bundestrainer Thomas Faber. „Wenn Daniela sich nicht gerade in Topform befände, würde Sandra allein gegen die Zeit fahren.“

Maier selbst nahm die Niederlage mit der Gelassenheit einer Siegerin. Livigno-Gold, zwei Podeste in Schweden, dazu die erste Saison ohne Viertelfinal-Aus – „Ich fahre heim, schließe die Tür und lache“, sagte sie. Der Grund: Ihre Konkurrentinnen wissen nun, dass die Olympia-Championin auch 2027 in der Bande steht, wenn die WM nach Gastein kommt.

Himmelsbach fliegt auf, dann ab

Himmelsbach fliegt auf, dann ab

Kilian Himmelsbach hatte Samstag das erste Mal überhaupt ein Weltcup-Podium umarmt. 24 Stunden später wollte er mehr. Im Finale jagte er Italiens Simone Deromedis und den Gesamtweltcup-Gewinner Reece Howden, bis ein leichtes Eisloch seine Linie riss. Die Landung war hart, die Folge Platz vier. „Scheiße, aber geil“, kommentierte er später auf Instagram – drei Worte, die die Skicross-Seele treffen.

Das Foto des Tages zeigt Deromedis, wie er mit der Zunge schnalzend über die Ziellinie brettert – eine Fingerspitze vor Howden. 25 Weltcup-Siege hatte der Kanadier vor diesem Rennen, der 26. war ihm sicher, bis der Italiener im letzten Sprung noch einmal das Licht angeht. „Ich habe nur noch gerufen: ‚Nicht bremsen, du Penner!‘“, sagte Deromedis lachend. Die Uhr stoppte bei +0,00 Sekunden – ein Fotofinish, das sich in die DNA der Skicross-Geschichte brennt.

Deutschland blickt zurück auf eine Saison, in der die Frauen den Ton angaben und die Männer endlich wieder mitreden. 24 Podestplätze, acht Siege, ein Olympia-Gold – so lautet die Bilanz des Deutschen Skiverbands. Und während andere Verbände nach Pyeongchang 2018 den Stecker zogen, stockte der DSV die Budgets. Der Knockout-Modus zahlt sich aus.

Am Horizont blinkt schon der nächste Winter. Die Weltcup-Premiere in Chur steht im Kalender, dazu die Heim-WM in Gastein. Maier hat ihren Rekord, Näslund ihre Krone, Himmelsbach den Geschmack. Und die Fans? Die wissen: Wer bei minus 30 noch Vollgas gibt, den hält nichts mehr auf – höchstens ein Eisloch, aber selbst das nur kurz.